„Seither erleben wir einen regelrechten Boom“, sagte Bodo Ruedel, Vorstandsmitglied der havelländischen Piraten am Montagabend während eines politischen Stammtischs seiner Partei im Rathenower Hotel Fürstenhof. Der schnelle Zuwachs sorge zwar für eine gewisse Euphorie unter den Mitgliedern und Sympathisanten, bringe aber auch Probleme mit sich. Die Kreispartei müsse sich in möglichst kurzer Zeit arbeitsfähige Strukturen organisieren, erläuterte Ruedel den 15 Teilnehmern am Stammtisch von denen rund die Hälfte der Partei angehörte. Die andere Hälfte wollte erst einmal Näheres erfahren.
Weil viele Menschen von der Politik etablierter Parteien enttäuscht seien, profitieren die Piraten von diesem Protestbonus, so ein junger Pirat aus Premnitz. Der 25-jährige Azubi wurde zum Mitglied, weil er an den aus seiner Sicht verkrusteten politischen Strukturen etwas ändern möchte. Das derzeitige öffentliche Interesse sei aber auf Dauer kein Selbstläufer. Piraten müssten, wenn sie glaubhafte Politik machen wollen, künftig auch zu regionalen Vorhaben und Problemen Stellung beziehen, war man sich in der Runde einig. Impulse erwartet man vom Kreisparteitag, der am 26. April in Nauen stattfindet.
Zur zukünftigen Struktur der Havelland-Piraten sprach man sich am Stammtisch für eine regionale Untergliederung in Ortsverbänden aus. Auch wenn für Piraten das Internet ein wichtiges Kommunikationsmittel sei, solle auf regelmäßige politische Treffs und Diskussionsrunden nicht verzichtet werden, so die Stammtischbotschaft vom Montagabend an den Kreisvorstand. In solchen Runden sieht man gute Möglichkeiten, die Basisdemokratie als Grundsatz der Parteiarbeit zu pflegen.
Politische Themen, wie ein von den Piraten gefordertes Grundeinkommen oder kostenfreien Personennahverkehr, wurden am Stammtisch nur grob angerissen und sollen in Arbeitskreisen weiter diskutiert werden. Bodo Ruedel bezeichnete solche Forderungen als Visionen, die in möglichst vielen Arbeitskreisen vertieft werden müssten. „Eine Partei, die etwas bewegen möchte, braucht Visionen“, so das Kreisvorstandsmitglied.
Wie alles bezahlt werden solle, wollte ein Rentner wissen. Ein Arbeitskreis, der eine Vision entwickelt, müsse nicht gleich das Finanzierungsrezept dazu liefern, so Ruedel über Piratenpolitik. Wenn sich die Parteibasis für die Vision entscheidet, obliege es dem Arbeitskreis Finanzierungsvorschläge zu unterbreiten.
Am politischen Stammtisch der Piratenpartei in Rathenow wurde rege diskutiert.