Die Stadt der Optik war einst auch für ihre Ziegel bekannt. In und um Rathenow gebrannt,  waren sie wegen ihrer Qualität und ihrer kräftig roten Farbe weithin bekannt und begehrt. Über Jahrzehnte widmete sich der 2019 verstorbene Premnitzer Wolfgang Bünnig, von 1990 bis 2016 Bodendenkmalpfleger im Landkreis Havelland, der Aufarbeitung dieses industriegeschichtlichen Themas. Jetzt stellte das Kulturzentrum die zweite und überarbeitete Auflage des Buchs „Rathenower Ziegelstempel. Eine Spurensuche zur Ziegeleigeschichte des 19./20. Jahrhunderts im Elbe-Havel-Dreieck“ vor.

Dr. Bettina Götze und Wolfram Bleis sind die Herausgeber

Das Produktionsgebiet der roten Rathenower Ziegel umfasste überwiegend dieses geografische Gebiet zwischen Havelberg, Parey (Elbe) und bis an Brandenburg/Havel ran.Bünnig hatte seine erste Auflage 2015 im Rahmen einer Ausstellung zur Ziegeleigeschichte im Havelland im Schloss Ribbeck vorgestellt. In seinem Sinne überarbeiteten und ergänzten Historikerin und KuZ-Geschäftsführerin Dr. Bettina Götze, auch Leiterin des Optik-Industrie-Museums,  sowie der Vorsitzende des Rathenower Heimatbunds, Wolfram Bleis, die seit langem vergriffene erste Auflage des Buchs. Damit kamen sie einer Bitte von Bünning gern nach.

Forschungen im gesamten Elb-Havel-Winkel

„Mein Mann hat im gesamten Havelland und der weiteren Region, wie im Elb-Havel-Dreieck, bis nach Berlin hin, nach Rathenower Ziegelmarken gesucht, sie akribisch als Zeichnung und fotografisch dokumentiert sowie anhand alter Messtischblätter den Ziegeleistandorten zugeordnet“, so Witwe Evelin Bünning, die das Manuskript des Autors zur Verfügung stellte und jüngst zur Buchvorstellung kam. „Zudem hatte er die Sammlung des 1988 verstorbenen Stadtarchivars Dr. Rudolf Gutjahr übernommen.“
Wolfgang Bünnings erste Auflage enthielt auf 115 Seiten 314 unterschiedliche Ziegelstempel. Die Neuausgabe, Stand Oktober 2018, erfasst nun auf 200 Seiten 420 Ziegelstempel von 197 Ziegeleistandorten und stellt ein umfassendes und grundlegendes Werk da. Diese Standorte und ihre Ziegelmarken und deren Fundorte sind im umfangreichen Katalog als Zeichnung und Foto dargestellt.

Auch Informationen über das Leben der Ziegeleiarbeiter

Neben allgemeinen Ausführungen zur Geschichte der Ziegelindustrie im Elbe-Havel-Dreieick und über das Leben der Ziegeleiarbeiter stellt das Buch 16 Ziegeleien in Rathenow und Umgebung beispielhaft genauer vor. Es ist um Shop des Optik-Industrie-Museums erhältlich, das sich im Kulturzentrum befindet.
„Viele neue Aspekte fanden Eingang. Aber wir sind und bewusst, dass das Thema noch längst nicht abschließend bearbeitet ist“, so Mitherausgeberin Götze. „Der nun vorliegende Band soll dazu beitragen, das Interesse an der regionalen Ziegeleigeschichte zu wecken oder weiter zu stärken und soll anregen, nach weiteren Informationen über die Ziegeleigeschichte unserer Region zwischen Havel und Elbe zu suchen.“