Es riecht nach Kindheit, wenn man den kleinen weiß gekachelten Raum in Damme bei Nennhausen betritt. An der hinteren Wand hängen Schweinehälften an riesigen Fleischerhaken, der Raum wird von einem Arbeitstisch in der Mitte beherrscht. Hier stehen Thomas Richter, seine Mutter Waltraud und ein Mitarbeiter.
Gemeinsam zerlegen sie Schweinehälften, geübte Handgriffe zeugen von Routine. Der Geruch erinnert an den Einkauf in der Kindheit, nicht im Supermarkt, sondern beim Metzger. Würstchen, Rot- und Leberwurst, Schinken und Kochschinken, aber auch die Stücke für den Sonntagsbraten, das Schnitzel und das Kotelett, all dies gibt es bei Richter in Damme ganz frisch und nach alter Tradition zubereitet.

Thomas Richter ist Landwirt

Er sei aber Landwirt, darauf legt der 52-Jährige wert, auch wenn er mit Messern und Fleischerschürze nicht gerade wie ein Bauer aussieht. Während des folgenden Gesprächs zerlegt er, so ganz nebenbei, acht Schweinehälften. Die Fertigkeiten eines Fleischers hat er sich angeeignet.
Nach der Wende kaufte sein Vater das ehemalige Volkseigene Gut, die Familie zog aus dem benachbarten Pessin nach Damme. Thomas Richter übernahm den Hof, unterhielt hier bis 2006 einen Milchviehbetrieb. Doch mit Milch ist nicht mehr viel Geld zu verdienen, der Milchpreis liegt seit Jahren niedrig - Richter stellte auf Fleischrinder um. 12 bis 30 Tiere hält er. Nach dem Erwerb junger Kühe, Färsen genannt, mästet er diese langsam mit Grassilage. „Auf keinen Fall Mais,“ betont Richter.

Stroh zum Knabbern und Spielen

Futter und Haltung bedingen die Fleischqualität, erklärt er. Das gilt auch bei seiner Schweinehaltung. Die Tiere stehen nicht in engen Gitterboxen, sondern haben einen Stall, in dem sie sich bewegen können. Sie haben Stroh zum Spielen und knabbern. Richter erzählt: „In Großbetrieben bekommen die Schweine zweimal täglich eine Suppe, vollautomatisch in die Tröge gepumpt.“ Das sieht bei ihm anders aus.
Die Schweine haben immer Zugang zum Futter, und das Stroh liefert wertvolle Ballaststoffe. Sie bekämen Getreide und Mineralien, dazu Soja, so Richter, wegen des hohen Eiweißanteils. Keine Turbomast, sechs bis sieben Monate werden die Schweine gemästet, mit rund 120 Kilo Schlachtgewicht werden sie nach Neuruppin gefahren und geschlachtet. In Hälften erhält er sie zurück.

Keine Antibiotika benötigt

„Das Fleisch ist besser, wenn die Tiere etwas älter sind“, weiß Richter. Auf seinem Hof zerlegt er die Hälften und vermarktet das Fleisch erfolgreich selbst - im eigenen Hofladen oder auf Wochenmärkten.  „Ein Schnitzel von meinen Schweinen wird in der Pfanne nicht kleiner“, sagt der Landwirt und legt nach: „So was wie Antibiotika oder solch einen Quatsch brauche ich nicht.“
Der Hofladen muss sich in Coronazeiten nicht sorgen. Richter habe sogar viele neue Kunden für sich gewinnen können, wie er berichtet. Offenbar wächst mit der Pandemie der Wunsch nach dem Regionalen, jenen Lebensmitteln, die ums Eck produziert werden.

Wunsch von Mutter Waltraud

Dass es das Geschäft in Damme überhaupt gibt, ist Waltraud Richter zu verdanken. „Meine Mutter hatte sich einen kleinen Hofladen gewünscht“, so Richter. Der Laden wächst seit seiner Einrichtung vor mehr als zwanzig Jahren beständig, ein Café gehört längst dazu, mit einer lauschigen Terrasse zum Draußensitzen. Hier können die Fleisch- und Wurstwaren gekauft werden, Eier, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Honig von Richters Schwester, die gleich nebenan imkert. Und Töpferwaren, die sie produziert, sind ebenfalls im Sortiment. Es gibt Säfte und geistige Getränke aus der Umgebung. Und eine Ecke mit ganz besonderen Schätzchen: unterschiedliche Mehlsorten aus der Region.
Die ganz besonderen Renner seien, so Richter, die Fertiggerichte, auf dem Hof hergestellt. „Die werden gut nachgefragt, von älteren Leute genauso wie von jüngeren, die nach einem langen Arbeitstag nicht mehr kochen wollen, aber nicht auf gutes, handgemachtes Essen verzichten möchten.“ Das Gulasch sei inzwischen der Kassenschlager.

Live-Schaltung in den Schweinestall

Im Laden hängt ein Monitor. „Schnitzel-TV“ sendet live aus dem Schweinestall. Hier kann man dem Borstenvieh beim Futtern und Spielen zusehen. Der Blick auf den Monitor muss derzeit für Besucher reichen. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen. Schuhe werden vor Betreten der Ställe desinfiziert, Richter musste einen Zaun um die Dung-Ablagestelle ziehen. Und auch das gesamte Gelände will er mit einem Zaun wildschweinsicher machen. Finanzielle Zuschüsse bekäme er für die Sicherungsmaßnahmen nicht. Derweil fällt gerade der Preis für Schweinefleisch, obwohl im Landkreis Havelland noch kein Wildschwein mit ASP gefunden wurde.

Billigfleisch führt zu respektlosem Umgang

Fleisch müsste teurer sein, so Thomas Richter. Billig erworbene Lebensmittel in Discounter und Supermarkt würden zu respektlosem Umgang mit den Nahrungsmitteln führen. Und dass wieder mehr saisonale Waren verlangt und gekauft werden, würde er ebenfalls befürworten. Seinerseits lässt Richter immer nur zu bestimmten Terminen schlachten, man kann sie im Internet einsehen.