Das Corona-Virus verhindert Kultur und Sport in Gemeinschaft. Bewegung an der frischen Luft bleibt indessen erlaubt - sogar zu zweit. Warum nicht mal sagenumwobene Orte in und um Rathenow besuchen, sofern sie sich innerhalb des Corona-Lockdown-Radius von 15 Kilometer befinden? Auch der Teufelsberg bei Landin (Gemeinde Kotzen im Amt Nennhausen) ist ein seltsam anmutender Hügel.
Um den Teufelsberg am Havelländischen Hauptkanal ranken sich einige Sagen. Etwa der württembergische Lehrer Johann Burkhardt Rothacker begann seine 1839 in „Auserlesene Märchen“ veröffentlichte Geschichte mit folgenden Worten: „In der Mark, dem Havellande, befindet sich neben dem Dorfe Landin ein hoher Berg, auf dessen äußerster Spitze ein tiefes Loch, dessen Grund dem Auge unabsehbar ist.“

Die von Bredow und der Teufel

Es folgt an der Stelle eine Story, die einen Leopold von Bredow mit dem Teufel und dem Hügel in Verbindung bringt. Tatsächlich tauchen die von Bredow als Herren über Landin erstmals in einer Besitzurkunde von 1353 auf, speziell findet ein Gebhard von Bredow Erwähnung.

Riesen und viel Sand

Auch der Semliner Sagensammler Eugen Gliege griff das vermeintliche Loch auf dem Teufelsberg auf, das dort aber in keiner Weise sichtbar ist. In Glieges „Heimatsagen aus dem Havelland“ (2007) ist davon die Rede, dass ein Riese bzw. Hüne quasi einen Fußabdruck hinterließ. Der Hügel selbst sei durch ein Riesenmädchen entstanden, das an der Stelle eine Schürze voller Sand fallen gelassen hat.

Gräberfeld am Nordfuß des Hügels

Indessen war und ist der Teufelsberg auch wissenschaftlich ein Thema. Im Buch „Götter und Mythen im alten Europa“ (Band 1) von 1973 ist von einem slawischen Gräberfeld am Nordfuß des Hügels die Rede. Auf ein Kuriosum wird hingewiesen: „Landin hat drei um den Berg herumlaufende konzentrische Wall-Grabenanlagen.“ Wie es weiter heißt, unterscheide sich die Anlage von sonstigen slawischen Burgtypen, daher sei die Annahme nicht unwahrscheinlich, es handele sich um eine Kultstätte.

Bodendenkmal als Kultstätte ausgegeben

Man beruft sich in der Literaturquelle auf Angaben von Joachim Herrmann (1932-2010), einem zu DDR-Zeiten hoch angesehenen Experten, dessen Spezialgebiet die Welt der Slawen zwischen Ostsee und Erzgebirge war. Herrmann agierte 22 Jahre lang als Direktor des Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie (ZIAGA) der Akademie der Wissenschaften.
Die im Buch genannte Annahme wurde bei Denkmalexperten der Gegenwart zur Tatsache: Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege gibt das Bodendenkmal 50155 unter anderem als Kultstätte aus. So geht es aus der auf www.bldam-brandenburg.de veröffentlichten Denkmalliste des Landes hervor (Stand: 31. Dezember 2015).

Archäologische Grabungen im Jahr 2016

2016 erfolgte Grabungen ergaben aber keinen archäologischen Hinweis auf eine Kultstätte bzw. eine slawische Burganlage. Vielmehr wurden zahlreiche Scherben ausgegraben, die als frühdeutsch (1150 bis 1200) gedeutet werden. Man geht daher nun davon aus, dass auf dem Hügel eine frühdeutsche hölzerne Burg stand, zu der die Wallgrabenanlage gehörte. Zudem soll der Teufelsberg terrassiert worden sein.