Das Coronavirus verhindert Kultur und Sport in Gemeinschaft. Bewegung an der frischen Luft bleibt indessen erlaubt - sogar zu zweit! Warum nun nicht mal sagenumwobene Orte in und um Rathenow besuchen? Auch den Markgrafenberg betreffende Überlieferungen muten sehr seltsam an.

Nie 19 Herrscher gleichzeitig

64  Meter hoch ist der Hügel am östlichen Rand des Rathenower Stadtforstes. Ende des 13. Jahrhunderts sollen sich dort die brandenburgischen Markgrafen getroffen haben. Kurios ist die Anzahl der Teilnehmer aus dem Geschlecht der Askanier. Es sollen 19 gewesen sein. Doch gab es zu keiner Zeit gleichzeitig 19 askanische Markgrafen.

Teils herrschten Brüder und Cousins gemeinsam

Die Dynastie ist dadurch bekannt geworden, dass tatsächlich mehrere Vertreter nebeneinander an der Herrschaft beteiligt waren, die 1150 begründet wurde. 1320 starb die Dynastie aus.

19 Markgrafen von 1150 bis 1320

Wer nun die Zahl 19 mit der märkischen Realität in Einklang bringen möchte, hat nur eine Chance. Man muss alle Askanier, vom ersten bis zum letzten brandenburgischen Markgrafen,  zusammen addieren. Inklusive aller zwischen 1150 und 1320 an der Macht beteiligten Brüder und Cousins sind das genau 19. Wer sich an diese Zahl klammert, muss wohl oder übel in Betracht ziehen, dass es sich bei der Mehrzahl der Teilnehmer am Treffen auf dem Hügel bei Rathenow um Zeitreisende gehandelt haben müsste.

Feuer sprühendes Pferd auf dem Hügel

Zum Abschluss der Sage, wie sie Adelbert Kuhn in seinem 1843 erschienenen Buch „Märkische Sagen und Märchen“  wiedergab, steht: „Seit dieser Zeit mag es wohl kommen, dass es am Markgrafenberg nicht recht geheuer ist, denn oft lässt sich dort ein Pferd sehen, dem Feuer aus Maul und Nase sprüht, und schon manchen, der dort in der Nacht vorüberging, hat es in Furcht und Schrecken gesetzt.“

Riesiges Malteserkreuz im Waldboden

Eine andere Merkwürdigkeit stellt ein riesiges Malteserkreuz im Waldboden dar, das sich einst bei entsprechender Witterung mit Wasser füllte. Wanderern ist dieses als Kreuztränke ein Begriff. Es gibt etliche Spekulationen über die Entstehung. Mancher meint gar, das Kreuz sei vorchristlichen Ursprungs. Wahrscheinlicher ist derweil, das es viel jünger ist.
In einem BRAWO-Beitrag des Jahres 2015 äußerte sich die Kreisverwaltung wie folgt zum Thema: „Etwa um 1850 wurde in Rathenow das Waldemarfest eingeführt. Dazu wurde auch der Markgrafenberg mit einbezogen, einerseits der Sagen um den Markgrafen wegen, aber andererseits auch wegen der romantischen Lage und dem daher für Rathenower beliebten Ausflugziel. Im Zusammenhang mit den Waldemarfesten wurde dann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit das symbolhafte Malteserkreuz als sichtbarer Ausdruck der Verehrung der Vorfahren angelegt.“