Für 411 Erstklässler im Westhavelland begann mit dem Schuljahr 2021/2022 der Start in jenen Lebensabschnitt, der eine erste Pflicht mit sich bringt. Die Teilnahme am Unterricht in Schulen wird gesetzlich gefordert (Brandenburgisches Schulgesetz - BbgSchulG). Das ist eine Tatsache, die bei Einschulungsveranstaltungen eher nicht zur Sprache kommt. Eltern, die die regelmäßige Teilnahme ihres Kindes am Unterricht nicht gewährleisten, müssen mit Konsequenzen rechnen.

Grundschule in Rathenow-West 1908 eröffnet - damals noch keine Pflicht zum Besuch der Schule

Die Schulpflicht in Deutschland gibt es erst seit 1919. Als etwa die Grundschule in Rathenow-West vor 113 Jahren eröffnet wurde, bestand in Preußen nur eine Unterrichtspflicht. Sofern die Eltern daheim nicht die notwendige Bildung ihrer Kinder gewährleisten konnten, musste der fünf- bis zwölfjährige Nachwuchs in Schulen das Lesen und Rechnen lernen. Das erste diesbezügliche Gesetz im Land hatte bereits König Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1717 erlassen.

Eltern säumig beim Schicken der Kinder zur Schule

Dem Monarchen war aufgestoßen, dass insbesondere Eltern auf dem Land „in Schickung ihrer Kinder zur Schule sich sehr säumig erzeigen, und dadurch die arme Jugend in grosse Unwissenheit, so wohl was das lesen, schreiben und rechnen betrifft, als auch in denen zu ihrem Heyl und Seligkeit dienenden höchstnötigen Stücken aufwachsen laßen.“ Doch zur Staatsaufgabe in Preußen sollte Schulbildung erst ab 1794 werden.

Schulmuseum in Reckahn mit Klassenraum um 1915

Im Jahr 1773 wurde in Reckahn - nahe der Stadt Brandenburg - eine zweiklassige Dorfschule eröffnet. Wie dort unterrichtet wurde, veranschaulicht das Schulmuseum Reckahn. „Herzstück des Museums ist der historische Klassenraum mit Sitz- und Schreibpulten sowie Unterrichtsmaterialien um 1915. Hier können die Besucher historische Schulstunden erleben, sich im Schönschreiben üben oder an Projekttagen teilnehmen“, wie es auf der Internetseite des Museums heißt.

Erste Grundschulen ab 1919 - heute sechs gemeinsame Schuljahre

Auf die 1919 festgeschriebene Schulpflicht in ganz Deutschland folgte 1920 ein Reichsschulgrundgesetz, in dem festgelegt wurde, dass alle Kinder gemeinsam vier Jahre zur Schule gehen sollten. Das war die Geburt der Grundschulen, von denen es heute zehn in und um Rathenow gibt, und wo sechs Schuljahre anstehen. Die Vollzeitschulpflicht dauert in Brandenburg zehn Schuljahre und wird durch den Besuch der Grund- und einer weiterführenden Schule oder einer Förderschule anstehen.

Tausende Schulverweigerer im Land Brandenburg - Bußgelder bis zu 2500 Euro

Etliche Kinder und Jugendliche werden im Laufe der Zeit zu Schulverweigerern. Letzte diesbezügliche Zahlen aus allgemeinbildenden Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft veröffentlichte das Bildungsministerium im Februar 2020. Das war vor Corona. Die Rede war von insgesamt fast 4.000 Schulverweigerern (rund 1,8 Prozent) im damals aktuellen Schuljahr.
Diese Kinder und Jugendlichen hatten innerhalb eines Vierteljahres an mehr als fünf Tagen unentschuldigt gefehlt. In 76 Fällen wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Die Ordnungsämter der Landkreise und kreisfreien Städte können bis zu 2.500 Euro Bußgeld erheben.