Noch während einer Krankheit 1818 beginnt der auf Schloss Nennhausen lebende Fouqué seinen großen Roman "Welleda und Ganna", der in vier Bänden in seiner Sammlung "Altsächsischer Bildersaal" erscheint. In seinem Frauentaschenbuch von 1820 lässt er vier Kupfer von Schnorr von Carolsfeld dazu drucken. Auch hier zeigt sich Fouqués Hinwendung zum Mittelalter und zugleich zu nordischen Überlieferungen und zu heidnischen Zaubereien.
Tatsächlich aber soll etwa 70 nach Christus im germanischen Stamm der Brukterer die Seherin Veleda gelebt haben. So überliefert es der römische Geschichtsschreiber Tacitus. Abgeschirmt von der Außenwelt soll sie in einem Burgturm am Lippe-Ufer in Westfalen ihr geheimes Wissen ausgeübt haben. In der Überlieferung und in Fouqués Geschichte geht es um den Krieg des Bataver-Herzogs Claudius Civilis gegen die Römer, über die Kaiser Vespasian von 69 bis 79 n.Chr. herrschte. Tacitus beschreibt den Bataveraufstand ausführlich. Fürst Civilis schlug die Römer vernichtend, was die originale Veleda, bzw. bei Fouqué Welleda, vorhergesagt haben soll.
Indes ist auch Ganna eine überlieferte Gestalt. Diese Seherin soll ihr Stammesoberhaupt auf einer Reise zum römischen Kaiser begleitet haben. "Masyos, König der Semnonen, und Ganna, eine Jungfrau, die nach Veleda in Germanien als Seherin aufgetreten war, kamen zu Domitian, wurden von ihm ehrenvoll behandelt und dann wieder zurückgebracht", wie Geschichtsschreiber Cassius Dio laut Angaben auf Wikipedia berichtet. Das ist für den Elb-Havel-Winkel und auch für das Havelland ein durchaus interessanter Aspekt, da die Semnonen dort siedelten und sie demnach über einen König und wohl auch über einen Herrschersitz sowie einen Orakelort verfügt haben dürften. Tacitus berichtet indes nur von einem Hain der Semnonen, "der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist".
Der bei Cassius Dio erwähnte Kaiser Domitian herrschte von 81 bis 96 n.Chr. Ersten Kontakt mit einer Seherin hatten die Römer wohl schon im Jahr 9 v.Chr. unter Kaiser Augustus, als sich seinem Heerführer Drusus an der Elbe eine Seherin von schier riesenhaftem Wuchs entgegen stellte, deren Name aber nicht bekannt ist. Stattdessen ist überliefert, dass sie Drusus prophezeihte, dass es ihm vom Schicksal nicht bestimmt sei, den Fluss zu überqueren und dass er bald sterben werde. Mit beidem behielt die Seherin recht. Könnte sie der Kern der Sagen um Frau Harke sein, die als Beschützerin der Elb-Havel-Region gilt?
Indes wird wie in den Quellen auch Fouqués Ganna zur Nachfolgerin der erfolgreichen Seherin Welleda. Denn diese will zum zentralen Heiligtum der Römer, dem Tempel im Forum Romanum, ziehen. Eine andere semnonische Seherin gelangte in der Realität bis zu einer Orakelstätte in Elephantine in Ägypten. Sie findet auf einer Tonscherbe des 2. Jahrhunderts Erwähnung. Der Name dieser Frau: Waluburg.
"Bei den Nordgermanen hießen die Weissagerinnen (weissagende Zauberinnen) Vaulur, Vöulur, Völvur, Waulur, in der Einzahl Vala, Valva, Wala", so steht es in dem ab 1818 herausgegebenen Werk "Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste" von Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber.
Wie Dichter Fouqué zum Thema gelangte, ist ungewiss. Möglich, dass er sich dazu belesen hat, wie es andere auch taten. In August von Kotzebues romantischem Zauberspiel "Die kluge Frau im Walde, oder: Der stumme Ritter" (1801) ist eine Welleda mit Zauberstab die Hauptfigur. Denkbar also auch, dass Fouqué das Zauberspiel kannte und sich dadurch zu "Welleda und Ganna" inspirieren ließ.
Die Seherinnen bzw. Weissagerinnen: „Weleda war eine brukterische Jungfrau, welche den Germanen Sieg und den Legionen der Römer Untergang im batavischen Kriege weissagte. Durch die Erfüllung ihres Orakelspruches durch die Niederlage der Römer in Vetera Castra (Xanten) im Jahr 71 wuchs ihr Ansehen gewaltig, sie wurde nun nach der Germanen alter Sitte, welche die meisten Frauen für Weissagerinnen, aber bei wachsendem Glauben für Göttinnen hielten, nicht bloß mehr für eine Weissagerin, sondern selbst für eine Gottheit gehalten. Als solche geltend herrschte sie weit und breit.“ So steht es in dem ab 1818 herausgegebenen Werk „Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste“ von Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber. Der Verdacht liegt demnach nahe, dass es sich auch bei der aus dem Elb-Havel-Winkel bekannten Frau Harke um die sagenhafte Überlieferung einer realen Gestalt, womöglich um eine Seherin des germanischen Stammes der Semnonen handeln könnte. Denn Frau Harke wird gleichsam als Riesin, Beschützerin und Gottheit verehrt.