"Das Virginal ist ein typisches Instrument der Renaisance-Zeit, vor allem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien", erzählte die Schweizer Musikerin. "Vom Klang und Aufbau könnte man das Virginal am ehesten mit einem wohl besser bekannten Spinett vergleichen. Allerdings habe ich bereits bei den Proben heute Nachmittag bemerkt, dass die Feuchtigkeit in der Kirche dem Instrument arg zusetzt und so den Klang beeinträchtigt."
Dies war für die Zuhörer allerdings nicht zu hören. Das wenig bekannte Virginal ist ein Nachbau eines Originals einer damals bekannten italienischen Werkstatt aus dem Jahr 1540. Während ein Klavier über insgesamt 88 Tasten verfügt, spielt man das Virginal mit 20 schwarzen und 30 weißen Tasten.
Ebenso unbekannt wie das Instrument sind wohl den meisten Menschen die Komponisten der Renaissance-Zeit. "Zur Renaissance gab es noch keine extra veranstalteten Konzerte wie zum Beispiel ein Jahrhundert später im Barock. Musik wurde hauptsächlich zur Unterhaltung rund um ein opulentes Mahl gespielt", so Corina Marti weiter. "Musikalisch gibt es vor allem zwei Varianten: die fröhlichen, leichten Tänze und dann eher schwerere Musik." Marti ließ einige der Tänze, der Gaillarden, wie des Franzosen Pierre Attaingnant (zirka 1494 bis 1552), des Italieners Ippolito Tartaglino (zirka 1539 bis 1582) und des Polen Johannes de Lublin erklingen.
"Das Konzert im letzten Jahr war so toll, dass wir Corina Marti noch einmal eingeladen haben und die Musikerin während ihrer Tournee durch Europa und den USA einen Termin fand", so Torsten Kluge, Vorstandsmitglied des Fördervereins für Kirche und Dorf Görne e.V., nach dem 45-minütigen Konzert. "Das war ein wunderbarer Sommerabend mit musikalischer Untermalung."
Der Verein wurde 1999 auf Initiative der Journalistin Karin Bader gegründet. Sie war Ehefrau von Werner Bader. Im Internet betreibt der Förderverein die Seite www.kirche-görne.de, wo allerhand über Kirche und Dorf zu erfahren ist.
"Ich spiele gern auch im nächsten Jahr wieder ein Konzert in der Görner Kirche", so Corina Marti. "Aber ich würde auch gern einmal ein paar Tage Urlaub hier verbringen." Die Schweizer Musikerin studierte an den Musikhochschulen in Luzern und Basel mittelalterliche Tasteninstrumente und die Musik des Mittelalters, der Renaissance- und Barockzeit. Neben ihren Konzerten als Solistin und im Ensemble unterrichtet Corina Marti an der Musikhochschule Basel "Scola Cantorum Basiliensis".