Schon im Jahre 1586 wird der Rathenower Teerschweler Matthias Bock erwähnt. Auch der landesherrliche Teerofen Adermannshütte bei Mögelin (heute Königshütte) soll schon zur Schwedenzeit bestanden haben. Das Anwesen war nach dem Betreiber Adermann benannt.
1704 wurde der Teerofen nach dem Tode des Pächters Cuno Adermann durch Anschlag in Rathenow neu zur Erbpacht ausgeschrieben. Bewerber hatten sich bis zum 1. Dezember in der Königlichen Heidereiterey Grünaue (später: Oberförsterei) zu melden. Das Höchstangebot von 225 Talern kam von der Witwe des bisherigen Pächters und vom Rathenower Bürger Gürgen Semlien. Es wurde vertraglich festgelegt, dass die Witwe Adermann gegen Zahlung von 127 Taler Erbstandssteuer den alten Teerofen und die Wohnung behalten konnte.
Semlien durfte sich einen neuen Teerofen und ein Wohnhaus mit Nebengebäuden am Spolierenberg bauen. Wahrscheinlich war diese Stelle vorher nicht besiedelt. Im Kirchenbuch von Bamme wird Spolierenberg das erste Mal erwähnt, als der Halbhauer Andreas Michael am 23. August 1705 seine Tochter taufen ließ. So entspricht das Gründungsjahr dieser Kolonie dem Baubeginn des Teerofens.
Dr. Guthjahr gibt an, dass die Deutung des Namens nicht völlig klar ist: "Es gibt verschiedene Auslegungen. Spolia ist die Kriegsbeute. Spolienrecht gilt als Anspruch auf den Nachlass katholischer Geistlicher. Spolieren heißt so viel wie rauben, plündern. Sollte Spolierenberg ursprünglich Räuberberg bedeuten ?"
Semlien betrieb den Teerofen nur vier Jahre und verkaufte ihn wegen Verschuldung mit allen Rechten und Pflichten an Peter Treu. 1719 übernahm Gürgen Schöneberg die Schwelerei. Im Jahre 1730 brannte Schönebergs Anwesen nieder. Es wurde Brandstiftung vermutet. Um den Schaden zu mindern, bekam er für zwei Jahre den Pachtzins von 40 Talern erlassen. 1740 traf ihn wieder Brandschaden, der durch aus dem Teerofen austretende Flammen entstand. Helfer aus Bamme konnten verhindern, dass das Feuer auf umstehende Gebäude und den Wald übergriff. Die Feuersbrünste bedeuteten für Schöneberg den wirtschaftlichen Ruin. Er verkaufte den Teerofen an Peter Heise aus Klein Kreutz. Heise behielt die Schwelerei nur wenige Jahre, denn bald wurde Gürgens Sohn Georg Wilhelm Schöneberg im Kirchenbuch als Wirt, Ganzhauer und Teerschweler genannt.
Etwa um 1750 erhielten die Schönebergs gegen Zahlung einer jährlichen Schanksteuer von 5 Talern die Schankgerechtigkeit für den Bier- und Fuselausschank. 1786 entstand ein Streit, weil Georg Wilhelm Schöneberg die Steuer zu hoch fand. Er erreichte als Zugeständnis, jede 20. Tonne Bier und jedes 20. Quart Branntwein gratis von der Rathenower Brauerei zu erhalten und war daraufhin bereit, die Schanksteuer weiterhin zu zahlen.
Sicher profitierte er vom Postkurs, der von Rathenow über Neufriedrichsdorf, Spolierenberg, Seelensdorf und Brielow nach Brandenburg führte. Im Jahr 1727 wurde in der Nähe von Spolierenberg ein Postillon überfallen und ermordet. Der Raubmörder wurde ergriffen. Man richtete ihn am Tatort hin und begrub ihn an Ort und Stelle.
Schon frühzeitig war Spolierenberg eine eigenständige Gemeinde. Die Schönebergs waren die Schulzen (Bürgermeister). Da angeblich kein anderer Bewohner dazu die nötige Befähigung hatte, vererbte sich das Amt vom Vater auf den Sohn, und das siebenmal hintereinander. Um 1860 wurde die Teerproduktion eingestellt. Die Schönebergs wurden Landwirte.
1928 wurde Spolierenberg nach Bamme eingemeindet. Nach 1945 war der Ort kurze Zeit unbewohnt. Am 31. Dezember 1978 eröffnete hier die Gaststätte "Waldhorn", die zu DDR-Zeiten bekannt war durch gute Küche und zahlreiche Gesellschaftsfeiern. Weiterhin entstand hier in landschaftlich reizvoller Lage eine Kleingartenanlage. Auch heute lohnt sich ein Ausflug auf dem ehemaligen Postkutschenkurs in die waldreiche Spolierenberger Region. Allerdings, einen Ausschank gibt es hier schon lange nicht mehr.
Quellen: Manuskripte von Dr. Rudolf Guthjahr (Rathenow) und Gerhard Seiffert (Premnitz)