Auch im zweiten Corona-Jahr gedachten Vertreter Stadt Rathenow, Stadtverordnete aller Fraktionen außer der AfD und weitere Bürger am 8. Mai dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Faschismus sowie den Opfern des Krieges. Mit Maske legten sie am Samstag auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof der Stadt Blumen nieder.

Erinnerung wach halten

„Es ist wichtig, dass wir diesen Tag in Erinnerung behalten und den Millionen Opfern gedenken“, so Bürgermeister Ronald Seeger (CDU). „Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg gehören zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte.“
Einer, der beim Kampf um Rathenow gefallen Sowjetsoldaten, für die 288 Grabsteine auf dem 1949 angelegten und 1985 neu gestalteten Ehrenfriedhof errichtet wurden, trat 2019 aus der Anonymität heraus. Ivan Pustov starb, 36-jährig, am 26. April 1945. Nach langer Suche fand sein Enkel, der in Sewastopol lebende russische Bauunternehmer Alexander Pustov, das Grab seines Großvaters im Havelland. „Als Angehöriger der 47. Armee war Pustov zuvor auch bei der Befreiung des KZ Sachsenhausen dabei“, so Christian Görke (Die Linke).

Auch Widerstandskämpfern wurde gedacht

Zuvor gedachten Die Linken auch den deutschen Opfern des Antifaschismus. Am Ehrenhain auf dem Städtischen Friedhof sind auf 13 Gedenksteinen die Namen von 52 Rathenower Widerstandskämpfern aufgeführt, die den Zweiten Weltkrieg überlebten. So auch der Gewerkschaftsfunktionär, Stadtverordnete und Mitglied des Preußischen Landtags, Karl Gehrmann, 1920 Mitbegründer der KPD in Rathenow, nach dem in Rathenow-Ost eine Straße benannt ist.
Nach mehreren Jahren KZ-Haft wurde er am 8. Mai 1945 als Rathenower Oberbürgermeister und wenige Wochen später als Landrat im Westhavelland eingesetzt und im Mai 1946, auch nach Kritik der Militäradministratur, abgelöst. Sein Enkel Karl-Reinhold Granzow (Die Linke) vertritt seit 1990 die Interessen der Rathenower als Stadtverordneter.

Gedenkstätte in Rathenow ungepflegt

Auf einer Tafel wird auch 98 antifaschistischen Widerstandskämpfern aus Osteuropa gedacht. Die Linken mit Görke säuberten am frühen Vormittag die Gedenkstätte. „Bereits als wir letztes Jahr hier Blumen niederlegten, fiel mir auf, wie ungepflegt die Gedenkstätte ist und ich hatte die Stadt darauf aufmerksam gemacht. Daraufhin wurde etwas unternommen“, so Christian Görke. „Aber dieses Jahr zeigte sich das gleiche enttäuschende Bild.“

Linke legen Kränze im Havelland nieder

Am Mittag beteiligten die Rathenower Linken am Gedenken der Linken in Premnitz. Am Nachmittag legten sie Blumen an der Gedenktafel für die Zwangsarbeiter der damaligen Arado-Werke im heutigen Gewerbegebiet Grünauer Fenn nieder. Auch im Osten des Havellands legten die Linke Kränze nieder, so in Falkensee, Nauen, Elstal und Brieselang.