Nur langsam hebt sich der Dunst von den taufeuchten Wiesen bei Brädikow im Havelland. Ab und an schiebt sich ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke. Die Herde Soay-Schafe müsste sich bei diesem Wetter wie zu Hause fühlen. Ihre Heimat ist das St.Kilda-Archipel, nordwestlich von Schottland, zu der auch die Insel Soay gehört.

Karin Radzewitz züchtet seit 15 Jahren Soay-Schafe

Es sind vergleichsweise kleine, robuste Schafe, die bereits um 3000 vor Christus die Inseln bewohnten. Im Ursprung sind es Wildschafe. Wirklich nahe lassen sie Menschen nicht an sich herankommen. „Es sind Fluchttiere“, sagt Karin Radzewitz, die seit fünfzehn Jahre diese sehr seltene Schafrasse züchtet. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) führt die Soay-Schafe auf der Liste der bedrohten Haustierrassen. Rund 50 dieser seltenen Tiere hält Radzewitz auf ihren sechs Hektar großen Flächen.

Märkischer Sandboden: Nutzflächen erwiesen sich als nicht sonderlich ertragreich

Die 58-jährige selbstständige Handelsvertreterin zog im Jahr 2000 nach Brädikow in der Gemeinde Wiesenaue (Amt Friesack), erwarb dort mit ihrem Ehepartner einen ehemaligen Vier-Seiten-Hof. Zum Gehöft gehört auch Land. „Nicht besonders ertragreiche Flächen, eher märkischer Sandboden“, sagt sie. Zunächst überließ sie Pferden aus der Nachbarschaft die Landschaftspflege, dann kam die Idee mit den Schafen.
Eine bedrohte Tierrasse sollte es sein, nicht allzu groß und schwer. Sie sollten im Ein-Frau-Betrieb zu händeln sein. So kamen die Soay-Schafe ins Leben der Karin Radzewitz. Überwiegend zu Zuchtzwecken. Es gebe nur etwa fünf, sechs Züchter in Deutschland, wie sie sagt.

Ganzjährig an der frischen Luft

Die Tiere bewegen sich ganzjährig an der frischen Luft. Sie haben ihren Unterstand, bekommen bei Bedarf Heu zugefüttert und sind ansonsten sehr pflegeleicht. „Das ganze Jahr können die hier machen, wie sie wollen. Nur einmal im Jahr, sage ich ihnen, wo es lang geht“, sagt Radzewitz. Damit ist der Klauenschnitt gemeint. Eine anstrengende Prozedur für Schaf und Schäferin.

Noch keine Begegnung mit einem Wolf

Geschützt wird die Herde durch eine doppelte Zaunanlage, eine davon steht unter Strom. Wolfsbegegnungen hatte Radzewitz noch nicht. Sie setzt auf Prävention: besser dem Wolf gleich den Appetit verderben. Dafür würden Stromschläge sorgen. „Nicht nur vertrauen, auch verhauen, ist hier mein Motto“, berichtet Radzewitz. Denn ein Wolfsriss wäre nicht einfach nur ein finanzieller Verlust. „In diesem Fall geht auch unwiederbringliches Material aus dem Genpool verloren.“

Dallgow-Döberitz

Geschlachtet wird auch eher selten. „Ich verkaufe die Tiere lieber lebend als am Haken“, erklärt die Schäferin und schwärmt dann doch von der Salami. Dabei erweist sich die Nähe zum Schlächter als großes Glück. Dieser ist im nur etwa 10 Kilometer entfernten Berge bei Nauen tätig.
Tierische Produkte liefern zudem Araucana-Hühner, die ursprünglich aus Südamerika stammen. Sie sehen aus, als fehle ihnen das Hinterteil. Tatsächlich ist es deutlich verkürzt. Markant sind die grünen Eier dieser Hühner, die Teil des Frühstücksbuffetts werden. Auf ihrem Karinenhof hat Radzewitz sechs Gästezimmer eingerichtet. Außerdem ist sie eine Imkerin, hält neun Bienenvölker. Tiere bereichern ihr Leben vor und nach der Arbeit: „Wenn ich die Wahl habe, stehe ich lieber auf der Weide als im Büro“, so Radzewitz.