Die rund zweijährigen Bauarbeiten in der Fehrbelliner Straße (B 102) in Rathenow beginnen unter Vollsperrung am 19. April. Eine Umleitung über die marode Jederitzer Brücke ist unmöglich. Die CDU-Stadtverordnetenfraktion hatte die Brücke ins Spiel gebracht, um den Umleitungverkehr zu entzerren.

Alle CDU-Hoffnungen geplatzt

Im Bauausschuss am 13. April 2021 ließ Dr. Roger Rüdiger alle Hoffnungen platzen. Der Experte, der die von 1908 bis 1910 errichtete Brücke über den Stadtkanal seit rund drei Jahrzehnten regelmäßig bautechnisch prüft, hatte auf Wunsch hin nochmals statische Berechnungen angestellt. „Auf Grund der stark korrodierten Stahlträger der über 100-jährigen Brücke ist keine tragende Konstruktion für einen motorisierten Verkehr mehr vorhanden. Das Bauwerk ist einfach durch und durch marode. Da geht nichts mehr!“, so Rüdiger vor den Politikern im Bauausschuss.

Auch keine Überbrückung der Brücke

Alternativ war die Idee aufgekommen, die Straße auf der Brücke mit Unterstützung der Bundeswehr temporär zu überbrücken. Auch dem gab der Experte eine Abfuhr. Das scheitere an den maroden, ebenso alten wie nicht mehr zu ertüchtigen Widerlagern. Um die horizontale Belastung auszugleichen, müssten erst neue, der Brücke vorgelagerte Behelfswiderlager errichtet werden. Die Gesamtlänge der Überbrückung würde, mit erforderlichen Rampen auf beiden Seiten vor der Brücke, 60 bis 70 Meter betragen und zu weiteren Verkehrsproblemen führen. Zudem würde eine Überbrückung der Straße mit nötigem Abstand zwischen Straße und Überbrückung zu ihrer Erhöhung um zirka 75 Zentimeter führen. Damit würde der Straßenverkehr auf Schulterhöhe der Fußgänger geführt werden. „Das halte ich für nicht genehmigungsfähig“, wie Roger Rüdiger erklärte.

Wie weiter mit der Hubbrücke?

Im Anschluss zog die CDU ihren Antrag zur temporären Öffnung der Jederitzer Brücke zurück. Indessen steht weiter die Frage im Raum, wie es mit der Brücke  weiter gehen soll. Seit Dezember 2019 ist sie wegen ihrer Mängel für den motorisierten Verkehr gesperrt. Innerhalb der Stadtverwaltung soll demnächst eine interne Abstimmung dazu erfolgen, wie grundsätzlich verfahren werden soll.

Denkmalgeschütztes Objekt

Klar ist, dass die Hubbrücke im Norden der Altstadt nicht für Autos und Lkw geschaffen wurde. In ihren Baujahren gab es noch keinen Kraftverkehr in Rathenow. Wegen der Jugendstil-Elemente und des Holzbelags ist die Jederitzer Brücke ein denkmalgeschütztes Objekt.  Dr. Roger Rüdiger nannte zwei Möglichkeiten: Erhalt des jetzigen Zustands für Fußgänger und Radfahrer oder ein Neubau ohne größere Traglasterhöhung, so dass die Brücke wieder für den motorisierten Verkehr bis zu 2,5 Tonnen, mit Einzelüberquerung der Brücke, frei gegeben werden könnte.