Vom 23. August 1937 datiert ein Schreiben aus der Verwaltung des damaligen Stadtkreises Rathenow. Es wurde  einem Anwohner der Waldemarstraße zugestellt, der den Zustand des Straßenpflasters bemängelt und Verbesserung gewünscht hatte.
Die Antwort lautete wörtlich: „Wir müssen Ihnen leider mitteilen, daß eine Verbesserung des Pflasters der Waldemarstraße aus Mangel an verfügbaren Mitteln zunächst nicht vorgenommen werden kann, da andere wichtige Vorhaben zur Ausführung kommen müssen. Trotzdem werden wir bemüht bleiben, sobald als möglich auch die Waldemarstraße mit einem Asphaltüberzug zu belegen.“

Brief und Kopfsteinpflaster blieben erhalten

Dieses Schreiben ist im Original erhalten. Ebenso erhalten geblieben ist Kopfsteinpflaster. Im Jahr 2021 rollt darüber mehr Verkehr denn je. Deshalb ergriffen 32 Anwohner vor Monaten die Initiative, weil sie die gewachsene Belastung nicht länger ertragen wollten. Sie wandten sich im Juni mit einem gemeinsam unterzeichneten Schreiben an die Stadtverwaltung.

Gesundheitliche Schäden in Waldemarstraße befürchtet

Kernforderung ist die sofortige Änderung der Verkehrsführung mit dem Ziel, den Durchgangsverkehr von der Mittel- zur Goethestraße zu unterbinden, „um gesundheitliche Schäden von den Anwohnern und Schäden an den Gebäuden abzuwenden“, wie es in dem Schreiben heißt.
Kritikwürdig ist für die Unterzeichner insbesondere, dass viele Autofahrer, die in der Mittelstraße das Parkdeck des City-Centers verlassen und nach rechts auf die Mittelstraße (dort Einbahnstraße) einbiegen, nicht die gesamte Umleitungsstrecke bis zur Curlandstraße nutzen, um im großen Bogen zur Berliner Straße zu gelangen.

Bei Kraftfahrern willkommene Abkürzung

Die gepflasterte Waldemarstraße stellt hier eine willkommene Abkürzung dar, um - mit Vorfahrt - in die auch nur in eine Richtung befahrbare Goethestraße und weiter zur Berliner Straße zu gelangen. Die Anwohner wünschen sich im Idealfall eine Umkehrung der Einbahnstraßenregelung in der Goethe- und in der Mittelstraße. Das hatte auch die Stadt so gegenüber der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis Havelland vorgeschlagen. Von dort hatte es aber im Sommer eine Ablehnung gegeben.

Sanierung 2023 trotz gewaltiger Schulden in Rathenow

Mit dem gewachsenen Verkehrsaufkommen und den zusätzlichen Belastungen werden die Anwohner wohl leben müssen, bis die etwa 300 Meter lange Waldemarstraße im Jahr 2023 selbst zur Baustelle wird. Wie vor fast 85 Jahren ist eigentlich kein Geld dafür vorhanden. Trotz des Schuldenbergs von aktuell rund 18,5 Millionen Euro, den die Kommune abzubauen hat, soll die Holperpiste saniert werden und endlich einen Asphaltbelag bekommen.

1937 kein Geld für Radfahrstreifen

Und auch an Radfahrer wird dort gedacht, ob mit klassischem Radweg oder mit Streifen auf der Fahrbahn ist noch unklar. Im Brief von 1937 lautete der Abschlusssatz: „Die Anlegung eines besonderen Radfahrstreifens kann nicht in Frage kommen, da hierdurch eine doppelte Ausgabe entstehen würde.“