Am Sonntagvormittag gedachten der stellvertretende Bürgermeister Jörg Zietemann und Vertreter der Stadtfraktionen anlässlich des Volkstrauertag den Toten. Coronabedingt in kleinem Rahmen, ohne Musik und ohne Gedenkrede einer der Rathenower Pfarrer.

Konflikte bis heute nicht gelöst

„Wir erinnern heute an alle Toten und Versehrten der zwei Weltkriege. Die Rückschau auf das 20. Jahrhundert zeigt, dass auch nach den beiden Weltkriegen viele weitere Konfliktherde entbrannten, die teils bis heute nicht befriedet sind“, so Stadtverordnetenvorsitzender Corrado Gursch in seiner kurzen Gedenkrede. „Aus diesem Grund erinnern wir heute an alle Menschen weltweit, die in gewaltsamen Konflikten zu Tode gekommen sind: Soldaten, zivile Kriegsopfer, Opfer von Völkermorden und Massakern.“

Diplomatie wichtig

Mit dem Zitat des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende“, verwies Gursch auf die Wichtigkeit von Diplomatie zur friedlichen Beilegung von Konflikten.
„Auch auf kommunale Ebene können wir dazu beitragen, die zwischenstaatliche Verständigung zu fördern und Brücken zu bauen. Wie viele andere Städte ist Rathenow durch die Partnerschaft mit Złotów in Polen mit seinen europäischen Nachbarn verbunden“, so Gursch weiter. „Die Idee der europäischen Partnerschaften entstand ebenfalls, um die durch zwei Weltkriege aufgerissenen Wunden zu heilen.“

Mahnende Gedenksteine

Zwei Gedenksteine für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs am Großen Kreuz auf dem Weinberg-Friedhof mahnen die Lebenden. 153 im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten wurden hier bestattet.
Auf acht Tafeln sind die Namen von 223 Soldaten genannt, die in den letzten Kriegstagen Ende April 1945 bei den Kämpfen in der Stadt starben. Auch auf dem Weinberg wurde gekämpft, wie Einschusslöcher im Mauerwerk der Auferstehungskirche sowie auf Grabsteinen immer noch zeigen.