Zur Präsentation daheim am Mittwoch lud sich Wodtke Zeitzeugen ein, darunter Reinhard Düskau. Den hatte auch die Beat-Musik in ihren Bann gezogen. Düskau war Mitglied der Band „electric’s“, eine damalige Größe im Elb-Havel-Winkel. Auch er hatte so manche Anekdote parat und sogar eine Lebensbeichte. Denn Düskau meinte, dass er von Natur aus „unmusikalisch“ sei. Das hinderte ihn nicht daran, ein stückweit die Jugendkultur in der Region mitzuprägen. Und das bei politischem Gegenwind. Auch den „electric’s“ widmete Wodtke ein Kapitel.
Beat-Musik war überhaupt nicht das, was der Arbeiter- und Bauernstaat für seine Jugend wollte. Auf den damaligen DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht (SED) geht das Zitat zurück: „Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“ Dabei sieht Hans-Jürgen Wodtke ausgerechnet in Ulbricht einen, der vormals noch eine gewisse Liberalisierung in der Jugendkultur angestoßen hatte - im Widerspruch zu absoluten Reformgegnern. Wodtke schreibt in Teil I: „Auf Weisung des Politbüros wurde im Oktober 1965 das Spielen jeglicher Beatmusik in den DDR-Medien verboten.“ Notgedrungen hätte sich Ulbricht auf die Seite der Reformverweigerer geschlagen. Er hätte in der Beatmusik nun den Versuch „westimperialistischer Drahtzieher“ gesehen, „die eine akustische Kriegsvorbereitung in die DDR tragen wollten“. Ein Grund für die staatliche Sichtweise hatten die Bilder aus der Westberliner Waldbühne geliefert, die am 15. September 1965 während des Konzerts der Rolling Stones von Fans zerstört wurde. Ungewollte Auswirkung der Weisung von ganz oben, war unter anderem der Böhner Beatkeller. Der wurde im Keller von Wodtkes Elternhaus eingerichtet und im Spätsommer 1967 eröffnet.
Gespielt wurde, was das bis zu 40-köpfige Publikum begehrte. Das waren Titel, wie sie im Westradio liefen. Bewegte Bilder lieferte damals der Beat-Club von Radio Bremen im Westfernsehen. Die erste Sendung war am 25. September 1965 über die Mattscheiben geflimmert, also nur zehn Tage nach den Ereignissen in der Waldbühne. Wodtke meint über die Sendung, dass  sie für viele - für ihn natürlich auch - Pflichtprogramm gewesen wäre.  Es dürften vornehmlich jene Leute sein, die wie er diese Musik aus dem Westen konsumierten oder selbst auf Bühnen spielten, die die Broschüren zum Stückpreis von 7,50 Euro nun erwerben wollen. Andere interessieren sich womöglich eher für Zeitgeschichte(n). Das Kapitel „Jugendkrawalle in der Optikstadt“ ist sicher genauso spektakulär wie das über einen auf Mittelwelle aktiven Piratensender in Premnitz.