Die Bürgermeister von Wandlitz, Ahrensfelde, Schorfheide, Panketal, Bernau, Eberswalde, Werneuchen und die Amtsdirektoren von Biesenthal, Britz-Chorin-Oderberg und Joachimsthal verlangen einen vorsorglichen Immissionsschutz im neuen Windplan für die Landkreise Uckermark und Barnim. Sie beziehen sich auf eine Empfehlung der Landesregierung von 1000 Metern, "um die Bevölkerung bestmöglich vor Lärmemissionen zu schützen und die von vielen Bürgern empfundene optische Bedrängungswirkung zu minimieren", heißt es in einem gemeinsamen Antrag an die Regionalversammlung Uckermark-Barnim.
Eigentlich hatte das Gremium, das über die Windplanung entscheidet, einen solchen Beschluss längst gefasst. Doch dann stellte man fest, dass bereits jetzt 274 Anlagen innerhalb der 1000-Meter-Zone stehen. Würde also künftig ein genereller Tabu-Bereich gelten, entfielen vermutlich bis zu 40 Prozent der ausgewiesenen Windflächen. Damit würde die Energiestrategie des Landes Brandenburg nicht aufgehen, warnt Regionalrat Hans-Otto Gerlach (CDU). Außerdem würden die Gemeinden nicht selbst frei entscheiden können, ob sie im Rahmen zwischen 800 und 1000 Metern nicht doch Windräder zulassen. Denn vorhandene Windräder haben Bestandsschutz. Der Planungsausschuss der Regionalversammlung formulierte daraufhin einen Kompromissvorschlag: 800 Meter Tabuzone und 200 Meter Restriktionsfläche. Das bedeutet, dass innerhalb der 1000-Meter-Zone keine neuen Strommühlen entstehen dürfen. Vorhandene Anlagen können aber erneuert oder vergrößert werden.
Doch auch damit sind die zehn Barnimer Bürgermeister und Amtsdirektoren nicht einverstanden. So würden Bürger, "die bereits jetzt von dem geringeren Schutzabstand von 800 Metern betroffen sind, durch die mögliche Ersetzung von vorhandenen Anlagen durch deutlich höhere und größere Anlagen zusätzlich belastet", so ihre Argumentation. Unterstützung erhalten sie von Regionalrat Jens Koeppen (CDU), der aus Protest seinen Vorsitz im Planungsausschuss niedergelegt hat. "Beschlüsse müssen erklärbar sein", so seine Kritik. Die Bürger würden jedoch viele Dinge nicht mehr verstehen und die Umkehr des Beschlusses als Willkür betrachten.
Auf unterschiedliche Prioritäten bei der Betrachtung der Windkraft zwischen Barnim und Uckermark macht der Bernauer Bürgermeister Hubert Handke (CDU) aufmerksam. Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete würden Windkraftvorgaben in die Planungshoheit der Stadt eingreifen.
"Es geht aber nicht darum, neue Windkraftanlagen unter 1000 Meter aufzustellen", beteuert Frank Bretsch (SPD), neu gewählter Vorsitzender des Planungsausschusses. Mit großer Mehrheit stimmte die Regionalversammlung für seinen Kompromissvorschlag, neben der Tabuzone von 800 Metern einen Restriktionsbereich von 200 Metern einzurichten.
Zahlreiche Bürgerinitiativen nutzten die Einwohnerfragestunde, um erneut ihre Sorgen und Proteste zu äußern. Getötete Tiere und fehlende Steuereinnahmen kritisiert Hans-Jürgen Klemm von der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald". Von einer Möglichkeit, einen Teil der Energieproduktion durch neue Bürgeranlagen zu vergesellschaften, spricht Pfarrer Justus Werdin aus Greiffenberg. Und Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative Crussow: "Wie finden wir Frieden neben großindustriellen Anlagen?"