Ein Projekt des Kinderschutzbundes Uckermark klärt Schüler auf und hilft ihnen, Gefahren im Alltag zu erkennen und abzuwehren. Der Polizist und Sachbuchautor Steffen Meltzer (53) vermittelte am Donnerstag den Lindgrenschülern klare Regeln mit eindringlichen Worten, Beispielen, praktische. Übungen. Er erklärte, wie sie sich gegen Übergriffe wehren können. Die Kinder fragten ihm Löcher in den Bauch. Er antwortete konzentriert, ernsthaft, gelassen.
In seinem aktuellen Buch "So schützen Sie Ihr Kind!" hat der Gefahrenabwehr-Experte schon beschrieben, wie Eltern, Erzieher und Lehrer diese Regeln und Übungen in den Alltag einbauen können. Ohne Aufwand, ohne komplizierte Techniken oder theoretische Vorkenntnisse.
Einige Übungen hat der Oberkommissar für den letzten Schultag der 3a in der Astrid-Lindgren-Grundschule ausgewählt und mit den Kindern ausprobiert. Es macht den Kindern von Lehrerin Jacqueline Piwodda sicht- und hörbar Spaß.
Meltzer sprach mit den Drittklässlern über das Verhalten gegenüber Fremden und trainierte mit ihnen, was zu tun ist, wenn ein Fremder klingelt. Es gilt, laut und deutlich "Nein" und "Stopp" und "Halt" zu sagen, wenn sich fremde Erwachsene unziemlich, also näher als bis auf ein- bis anderthalb Kinderarmlängen nähern. Das bedeutet: "Bis hierher und nicht weiter!" Kinder müssen selbst bestimmen, wer sie anfassen darf und wer nicht.
Für die Schwedter Drittklässler scheint das alles ein großer Unterrichtsspaß einen Tag vor den Weihnachtsferien. Einige schreien das "Stopp!" lauthals hinaus. Andere lernen, ihre Scheu zu überwinden. Sie üben mit Schulkameraden, wie weit ihre "Wohlfühlzone" reicht und ab wenn sie diese bei Annäherung verletzt fühlen. Sie lassen sich erklären und üben, was zu tun ist, wenn auf der Straße ein Fremder in diese "Zone" eindringt, sich nicht aufhalten lässt: laut schreien, um Hilfe rufen, flüchten. Dorthin, wo viele Menschen sind.
"Kein böser Mensch will sich von anderen ertappen lassen", erklärt Meltzer den Kindern. Diese nicken verstehend.
Für Elias, Mohamed und Inga im Jahr 2015 oder Maggy 2007, Kinder, die entführt und ermordet worden sind, wurde die Begegnung mit einem "bösen Menschen" brutaler Ernst.
Die meisten Fälle von körperlicher Gewalt gegen Kinder und Missbrauch aber, so Meltzer, passieren im unmittelbaren sozialen Umfeld - Familie, Freunde, Sportverein... Außerdem gibt es eine riesengroße Dunkelziffer bei Fremden, die Kinder ansprechen und versuchen, sie mitzunehmen. 130 Kinder sind im Jahr 2015 getötet worden. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei unbekannten Kindestötungen, also der Polizei nicht bekannt gewordenen, noch einmal so hoch ist. "Das wären 20 Schulklassen, die in Deutschland einfach so verschwinden", macht Meltzer den Ernst der Lage deutlich. "Reden sie offen, ohne Angst zu machen, mit ihren Kindern über das Thema", rät er Eltern. "Üben sie selbstbestimmtes, selbstbewusstes Auftreten. Immer wieder. Einmal ist da keinmal. Wer als Kind nicht gelernt hat nein zu sagen, hat oft selbst eine Opferbiografie, auch als Erwachsener. Er wird schnell mal selbst Opfer von Mobbing oder Straftaten."
WDU-Chef Siegmund Bäsler machte Lindgrenschülern und Eltern am Donnerstag ein besonderes Weihnachtsgeschenk - je ein Exemplar des Fachbuches "So schützen Sie Ihr Kind" von Steffen Meltzer.