PCK-Geschäftsführer Klaus Niemann brachte das Problem der Industrie und der ganzen Region auf den Punkt: „Wir müssen sexy werden. Wir müssen attraktiv sein, damit wir Top-Leute bekommen.“ Das Fachkräfteproblem vieler Firmen in der Uckermark ist groß. Es war ein Thema, das der scheidende PCK-Chef und Vorsitzende des IHK-Arbeitskreises Nord beim Besuch des Wirtschaftsministers Ralf Christoffers ansprach. An Niemanns Seite trat erstmals Nachfolger Jos van Winsen in der Öffentlichkeit auf, der seinen Job im September antritt.
Die Schwedter Raffinerie ist mit 1150 Mitarbeitern, Aufträgen von 60 Millionen Euro im Jahr in der Region und einem Umsatz von zwei Milliarden Euro eins der wirtschaftsstärksten Unternehmen des Landes. Doch das steht auch vor vielen Problemen wie dem Exportrückgang in die USA, den Billigimporte aus dem Osten, Rückgang des Verbrauchs durch kleinere Autos, Bioanteil im Kraftstoff. Nur die Spitzenstellung der PCK in Sachen Effektivität habe bisher verhindert, dass die Raffinerie wie andere in der Auslastung zurückgefahren wird, so Niemann.
Die Altersstruktur der PCK- Belegschaft wird immer dramatischer, stellte Niemann dar. 70 Prozent verlassen das Unternehmen in absehbarer Zeit. Gleichzeitig stehen immer weniger Schulabgänger bereit. Das negative Image der Region sorgt dafür, dass immer weniger junge Leute diese Arbeitsplätze suchen. Diese Herausforderung zu meistern, sei eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft. „Ohne zusätzliche Wirtschaftsansiedlung und ohne neue Arbeitsplätze wird das hier nichts“, sagte Niemann in Richtung Politik und wandte sich klar gegen eine stärkere Einmischung in die Wirtschaft direkt an Christoffers gerichtet: „Lasst der Industrie Freiraum, lasst die Initiative bei den Unternehmen!“
Ralf Christoffers stellte seine Pläne zum Umbau der Wirtschaftsförderung dar, die künftig in größerem Umfang als Darlehen und weniger als nicht zurückzahlbarer Zuschuss erfolgen soll. Zur Fachkräftesicherung wolle das Wirtschafts- und Europaministerium beitragen, indem es die Vermittlung von Absolventen verbessern will, auch grenzüberschreitend. Außerdem sollen die Ausbildungszentren im Land für Bewerber aus anderen europäischen Ländern attraktiver werden. Er forderte aber auch dazu auf, über höhere Entlohnung nachzudenken. Sie sei ein wichtiges Kriterium für die Arbeitsplatzwahl. An einer besseren Infrastrukturanbindung des Industriestandortes sei auch das Land interessiert, sagte Christoffers, wurde dabei aber nicht deutlicher.
Im Anschluss besichtigte Christoffers die Raffinerie, den Bau der Biogasanlage von Verbio und die Leipa Papierfabrik.