Aufregung in Petershagen: Kinder und Eltern des Dorfes bangen um ihren Spielplatz. Der befindet sich in idyllischer Lage auf einer Grünfläche hinter einem Privatgrundstück in unmittelbarer Nähe des Schlosses. Kletterwand, Drehscheibe, Tore, eine Schaukel und ein Gerüst sind auf dem 2000 Quadratmeter großen Gelände aufgebaut. Die Anlage wirkt gepflegt und wird nach Angaben von Eltern gut genutzt. Doch sie soll verschwinden.
Das Amt Gartz hat das Grundstück als Wohnbaufläche in einem Interessenbekundungsverfahren öffentlich ausgeschrieben. Hier könne „ein großer Garten zur Erholung und Entspannung entstehen. Es ist ein ideales Grundstück, um den Alltag mit Familie und Freunden ausklingen zu lassen“, heißt es auf der Internetseite des Amtes.

Zettel aus Schaukasten entfernt

Eltern, Kinder und Anwohner sind sauer. Sie haben ein „Achtung“-Schild aufgebaut mit dem Hinweis, dass das Grundstück „entgegen jeglicher Absprache mit dem Ortsbeirat von Luckow-Petershagen zum Verkauf ausgeschrieben worden sei. „Hiermit informieren wir Sie, dass dieses Grundstück weiterhin als Spielplatz genutzt wird und nicht zum Verkauf steht“, heißt es weiter.
Den auch im Schaukasten angebrachten Zettel ließ offenbar das Amt Gartz wieder entfernen. Daraufhin klebten die Spielplatzverfechter ihn wieder an. Dann sollten die Schlösser ausgetauscht werden. Es geht hin und her. Die Bürger geben nicht auf und positionieren ihren Widerstand nun auf einem Aufsteller direkt vor dem Eingang zum Spielplatz.

Eltern halten am Areal fest

„Wir haben keinen anderen vergleichbaren Treff“, so die Eltern. Es gebe viele Kinder im Dorf. Man sei eine junge Gemeinde geworden. Das Grundstück befinde sich abseits der Straße, liege also ideal für Kinder. Das Areal sei in den vergangenen Jahren mit Hilfe des Dorfes immer weiter entwickelt und gepflegt worden. „Wir haben im Ortsbeirat den Verkauf des Nachbargrundstücks angeregt, auf dem sich eine alte Scheune befindet, nicht aber den Spielplatz“, erklärt Ortsvorsteher Steffen Drews. Er stellt sich hinter die Betroffenen.
Tatsächlich ist auch das über 4000 Quadratmeter große Nachbargrundstück als Entwicklungsobjekt öffentlich ausgeschrieben worden. Amtsdirektor Frank Gotzmann bestätigt die Verkaufsabsichten beider Objekte, bezeichnet aber die Beratung des Ortsbeirats als rechtswidrig. Bislang seien bereits zwei Interessenbekundungen für das Nachbargrundstück eingegangen, weitere Interessenten hätten vorgesprochen. Die Frist endet am 30. September.

Amtsdirektor sieht Grenzproblem

Doch vor einem Verkauf müsse ein Grenzproblem gelöst werden, weil möglicherweise das Spielplatzareal keine Zuwegung mehr hätte. Die Situation beruhe auf einer Teilung des Grundstückes in mehrere Flurstücke im Jahre 1986 und einer nur teilweisen Zuordnung an die Gemeinde 1995. Jetzt müsse man zukünftig geordnete Grundstücksverhältnisse herstellen.
Der Ortsvorsteher sieht allerdings kein Problem. Der Zugang zum Spielplatz würde jetzt schon über ein anderes Grundstück erfolgen. Es habe in früherer Zeit Absprachen gegeben. Und die würden immer noch gelten. Völlig verärgert reagiert er auf die Darstellung des Amtsdirektors, dass die einzelnen Spielgeräte „ohne Beschluss und ohne Abstimmung“ aufgebaut worden wären. „Kann überhaupt nicht sein“, so Steffen Drews. „Das Amt lässt die Geräte ja regelmäßig vom TÜV prüfen.“

Vorwurf eines Geheimtreffens

Das Amt hat nun angeboten, die Spielgeräte in der Nähe des Schlosses neu aufzustellen. Auch einer der Interessenten habe bereits Hilfe dabei angeboten. Das wollen die Eltern aber nicht. Sie riefen die Landrätin um Hilfe, die sogar kam, sich aber in die kommunalen Angelegenheiten nicht einmischen mag.
Frank Gotzmann ist sauer: „Die Beratung hinter verschlossenen Türen im Ortsbeirat Luckow-Petershagen am 25. Juni 2020, aber noch mehr das Geheimtreffen mit der Landrätin am 3. September 2020 machen die Lösungssuche derzeit nicht einfacher“, so der Amtsdirektor. „Leider ist das Schloss in Petershagen durch die vielen Geheimtreffen zum Synonym für Mauscheleien hinter verschlossenen Türen geworden. Wie alle hoffte ich, dass das mit einem Neuanfang in 2019 vorbei sei. Da habe ich mich getäuscht. Aber das ist nicht zu ändern und auch damit müssen wir in der Gemeinde Casekow leben. Und ohne ein wenig Aufregung geht es ja auch kaum“, heißt es in einer Stellungnahme.

Gemeinde muss entscheiden

Gotzmann verspricht aber eine Lösung. Außerdem sei die Gemeinde in ihrer Entscheidung über die Erteilung des Zuschlags frei und nicht verpflichtet, dem höchsten oder irgendeinem Gebot den Zuschlag zu erteilen. Rechtsansprüche aus einer Interessenbekundung und der darauf basierenden Entscheidung könnten nach seiner Darstellung nicht hergeleitet werden.
Der Ortsvorsteher sieht das Informationsdefizit eindeutig beim Amtsdirektor. „Er spricht nicht mit mir und beantwortet keine Mail. So geht das ja wohl nicht.“

Kommentar


Auf dem Rücken von Eltern und Kindern scheint Wäsche aus alter Zeit gewaschen zu werden. Nicht anders kann man das Informationsdefizit in Petershagen bezeichnen. Da regt der Ortsbeirat ehrlichen Gewissens den Verkauf einer vergammelten Immobilie in bester Lage an und soll am Ende den eigenen Spielplatz loswerden. Logisch, dass da Einwohner sauer werden und sich wehren. Sicherlich hat der Amtsdirektor den weiteren Blick, kennt Eigentumsverhältnisse und mögliche Grenzstreitigkeiten aus Verwaltungssicht. Und er muss sogar eingreifen, wenn etwas schiefzulaufen droht. Aber es ist ebenso seine Aufgabe, die Kommunalvertreter und schließlich auch die Bürger vorher zu informieren. Ein Interessenbekundungsverfahren erscheint in dieser Angelegenheit ganz unbrauchbar. Zunächst hätte es eines Grundsatzbeschlusses durch die Gemeindevertretung bedurft, um damit gleich die Umverlegung des Spielplatzes mit zu klären. So funktioniert Demokratie. Stattdessen beschimpfen sich nun alle Seiten oder reden erst gar nicht miteinander. Eines sei aber gesagt: Ein Ortsbeirat kann sich so lange und so oft treffen wie er mag. Geheim ist dabei gar nichts. Denn er darf ohnehin nichts entscheiden. Und jeder Ortsvorsteher hat das Recht, ein Treffen mit der Landrätin zu organisieren. Egal in welcher Angelegenheit. Es liegt nun ausschließlich in der Hand der Gemeindevertreter, eine Lösung für den Spielplatz zu finden, die Grenzverhältnisse zu klären und über den Verkauf des Gartengeländes abzustimmen. Vielleicht lassen sich dabei auch gleich alte Wäscheberge beerdigen.