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Herr Hertrampf, die Puhdys haben gesungen "Wir rocken bis zur Rockerrente". Wie lebt es sich so im Ruhestand?
Die Puhdys haben sich 2016 endgültig aufgelöst. Ich bin Jahrgang 1944 und könnte schon lange Rentner sein. Aber für mich gilt: einmal Musiker, immer Musiker.
Rentner schlafen aus, treiben Sport und treffen Freunde oder spielen Karten. Trifft das für Sie zu?
Nur in etwa. Denn ich habe überhaupt keine Zeit. Ich schlafe bis 8, weil ich meine acht Stunden Schlaf brauche. Dann trinke ich einen Kaffee und löse Kreuzworträtsel. Gegen 9 geht's zum Ausdauerlauf oder zum Kraft-Ausdauer-Zirkel ins Sportstudio. Man muss ja fit bleiben. Ich bin berufstätig.
Ihr Solo-Programm heißt "Ich bereue nichts". Worauf sind Sie stolz?
Ich bin stolz auf meine drei Kinder. Es gibt auch einen Musiktitel über sie in meinem Programm. Außerdem bin ich stolz auf meine Zeit nach den Puhdys und dass ich zur Stange gehalten habe.
War es denn nicht schön mit den Puhdys?
Klar doch, aber es ist nicht leicht als Berufsmusiker. Manchmal war es schwer, davon leben zu können. Wenn keine Konzerte waren, gab es auch kein Geld. Damals in den Klubs in Berlin konnte man spielen. Man konnte überall spielen und ein bisschen Geld verdienen. Man konnte sich ausprobieren und vor Publikum stehen. Das war für die eigene Seele toll, und das war bei allen Puhdys so. Wir konnten daran wachsen.
Und heute ist das anders?
Absolut. Heutzutage kommen die jungen Musiker aus ihren Kellern nicht raus. Bei DSDS zum Beispiel werden Stars hochgepusht und verglühen schnell.
Im vorigen Jahr haben sich die Puhdys endgültig aufgelöst. War das für Sie mit Wehmut verbunden oder sehen Sie das abgeklärt?
Wir haben das von Anfang an abgeklärt gesehen und unsere Good-bye-Konzerte gegeben. Das war ein Abschied auf Raten. Als klar war, dass wir uns auflösen, habe ich das Konzept für meine Solo-Show aufgebaut und in meine Zukunft investiert ohne zu wissen, ob es funktioniert.
Warum noch einmal diese Mühen und das Lampenfieber?
Meine Show ist eine Form der Aufarbeitung meines Lebens. Ich bringe mein Leben live und musikalisch auf die Bühne aber auch auf die Leinwand. Ich kann auf einen Riesenfundus zurückgreifen. Es kommen immer neue Filme und Bilder hinzu. Ich habe viel zu erzählen.
Wie läuft Ihr Konzert ab, das wohl eher eine gesungene Erzählung ist?
Vielleicht kann man es so bezeichnen. Die Show insgesamt dauert drei Stunden. Die Zuschauer können mittendrin Fragen stellen. Jede Frage der Leute öffnet ein neues Fenster. Dadurch ist jede Show trotz ihres roten Fadens anders. Mein musikalisches Leben ist dieser rote Faden. Danach gebe ich noch Autogramme.
Wann begann Ihr musikalisches Leben?
Das war 1958. Da habe ich mir bei einem Ernteeinsatz meine erste Gitarre verdient. Ich kam ja nicht aus einem musikalischen Elternhaus, habe mir das Gitarrespielen selbst beigebracht. Im Konzert spiele ich die erste Nummer, die ich überhaupt auf der Gitarre konnte.
Und was war das?
Das war "Ich denk an dich" von Peter Kraus. Seine Titel und die von Elvis haben die 1950er-Jahre geprägt. Ich war damals ein Teenager von 14 Jahren. Mit meinen Freunden bin ich durch Ost- und West-Berlin gestromert. Wir waren absolute Kindergrenzgänger. Das Peter-Kraus-Lied hat sich als Grundstein für später erwiesen.
Wie meinen Sie das?
Ich habe eine Lehre zum Verkehrsbauzeichner gemacht. Durch diesen Song konnte ich dem weiblichen Geschlecht näher kommen. Das war ein Baustein von vielen, der dazu beigetragen hat, dass ich bei der Musik geblieben bin.
Ihre Kinder haben ja auch zur Musik gefunden.
Sie ist einer der schönsten Berufe. Man braucht aber auch die richtige Frau dazu. Denn ein richtiges Familienleben gibt es als Musiker nicht.
Wie sah das denn bei Ihnen so aus?
Ich war bei der Geburt meiner Tochter dabei. Ein paar Stunden danach musste ich zur Mugge nach Kamenz. Einen Tag später haben wir mit Peter Maffay auf dem Sachsenring gespielt. Auch heute noch bin ich oft auf Geburtstagen und Familientreffen nicht dabei. Meine Frau wundert sich, wenn ich zu Hause bin.
Treffen Sie sich noch manchmal mit den anderen Puhdys, mit Maschine und Co?
Gar keine Zeit. Wir waren neulich bei seinem Konzert. Aber viel mehr ist nicht drin. Ich habe das Konzert mitgeschnitten. Mal sehen, was draus wird. Es soll im Mai rauskommen.
Also wirklich nichts mit Ruhestand?
Ich gehe dann in Rente beziehungsweise sehr ungern, wenn ich was erfolglos mache. Die Solo-Konzerte, selbst die mit wenigen Zuschauern, sind doch immer so, dass wir ins Gespräch kommen. Die Zuhörer singen sogar mit. Wir wollen Klubatmosphäre haben und verbreiten. Die Leute sollen einen Schluck trinken und sich amüsieren.
Können Sie das Leben genießen? Worauf kommt es an?
Ich genieße es ja. Das ist für mich keine Arbeit, wenn ich im Studio sitze, 16 Stunden am Tag. Das ist kein Stress. Das sind alles positive Gefühle. Die werden nur negativ, wenn ich meine Steuern bezahlen muss.
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