Der lange Wohnblock an der Auguststraße ist so groß wie "Klein Vierraden" an der Lindenallee und genauso beliebt. Zehn Aufgänge mit insgesamt 100 Wohnungen sind komplett vermietet. Zentrumslage, beliebte Wohnungszuschnitte, vorn eine Tempo 30-Straße, hinten hinaus der Blick auf Altstadt und den Garten des Altstadtquartiers.
Ursprünglich hatte der Vermieter dort nur eine Strangsanierung geplant. Dabei werden für zehn Wohnungen eines Aufgangs jeweils in einer Woche die Elektro-, Wasser- und Abwasserleitungen in den Versorgungsschächten erneuert, Mieter erhalten neue Fliesen und Bäder und Elektroherde. 825 000 Euro sollte die komplexe Modernisierung kosten. Mittlerweile hat sich das Bauvorhaben jedoch zum größten der Genossenschaft in diesem Jahr gemausert. 3,5 Millionen Euro investiert die Wobag in die 100 Wohnungen, um sie, wie Vorstand Matthias Stammert erklärt, "demografiefest" zu gestalten.
Darunter versteht die Wobag, dass die Wohnungen auch künftig gut nachgefragt sind, auch dann, wenn die Bevölkerungsentwicklung weiter voranschreitet, Bestandsmieter immer älter und jüngere Nachzieher anspruchsvoller sind. Denn so schön die Wohnlage auch ist, in den vierten oder fünften Stock will auch nicht mehr jeder Mieter ziehen und der Balkon muss schon sein, den haben aber nur 60 der 100 Wohnungen.
In den nächsten Monaten erhalten alle Wohnungen einen Balkon, größer als die alten. Alle Aufgänge bekommen einen Fahrstuhl. Das Konzept dazu hat das Architekturbüro Agora+ aus Biesenbrow erarbeitet. In den Vorbauten aus Glas und wellenhaft auf- und absteigenden roten Fronten durchbricht der Entwurf von Mathias Tietze die monotone Struktur des langen Blocks. Der "lange August" erhält künftig eine markante Struktur.
Anstoß für die Aufstockung des Bauvorhabens gaben einerseits die Stadt mit ihrer Ankündigung zur Sanierung der Auguststraße, andererseits die in den Keller gesunkenen Bauzinsen. Lange konnte nicht mehr so günstig gebaut werden.
Als die Wobag ihren Genossenschaftern und Mietern die Pläne für den Block vorstellte, erntete sie großen Zuspruch. "Es gab wirklich Mieter, die aufstanden und sich bedankten. Sie hatten schon befürchtet, in tiefer gelegene Wohnungen oder an andere Standorte umziehen zu müssen, weil es immer schwerer fällt, in die dritte oder vierte Etage zu steigen", berichtet Stammert.
Die Fahrstuhl-Variante mit dem Podest auf halber Treppe ist ein Kompromiss. Acht Stufen bleiben trotzdem bis zu jeder Wohnungstür, damit sind die Wohnungen barrierearm, aber nicht frei. Die Baukosten für die Aufzüge hielten sich so jedoch halbwegs in Grenzen. Die Wobag konnte die Kaltmiete bei 5,40 Euro/Quadratmeter kappen, derzeit zahlen die Mieter zwischen 4,11 und 5,40 Euro.