Es ist ein Riesenproblem: Auf der einen Seite suchen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Sozialdienste händeringend nach Personal. Auf der anderen Seite gibt es gerade unter den Zugewanderten viele Menschen, die keinen Job haben, aber sogar einschlägige Vorkenntnisse besitzen. Ihr größter Hinderungsgrund, sofort in dieser Berufsrichtung zu starten, sind mangelnde Sprachkenntnisse. Doch die lassen sich erwerben.
Das dachte sich auch die Medizinische Uckermark und legte einen Kurs auf „Grundkenntnisse Pflege mit Sprachförderung“. Schließlich sollen sich Betreuer und Patienten später verstehen und miteinander reden können. Neben dem Kennenlernen von Pflegeberufen steht vor allem die Kommunikation im Mittelpunkt dieser halbjährigen Ausbildung samt eines Grundwortschatzes der für diesen Job notwendigen Fachbegriffe.

Fehlende Teilnehmer

Doch der Kurs, der eigentlich im August beginnen sollte, ist leer. Verschoben wegen fehlender Besetzung. Das ist verwunderlich, hat doch en Vorgängerkurs gute Ergebnisse gezeigt: 55 Prozent der Teilnehmer starten eine Folge-Ausbildung im Pflegebereich. „Für uns ist dieser Weg sehr wichtig, denn die Teilnehmer können unsere Fachkräfte von morgen sein“, sagt Ilona Thiedig, Leiterin der Medizinischen Schule.
Warum aber der Mangel an Beteiligung? „An uns liegt es nicht“, sagt Job-Center-Leiter Michael Steffen. „Wir haben bereits Rückmeldungen von Menschen, die einen Bildungsgutschein für diesen Kurs bekommen und werden jetzt noch einmal mögliche Kandidaten ansprechen. Wir gehen davon aus, dass wir die notwendige Teilnehmerzahl erreichen.“

Kurs ist zertifiziert

Stellt sich die Frage, warum kein Arbeitsloser mit Migrationshintergrund aus dem Kundenstamm der Eberswalder Arbeitsagentur dabei ist. Denn der Kurs ist offiziell zertifiziert, weshalb die Arbeitsagentur sogar aus Mecklenburg Teilnehmer schickt. Es geht das Gerücht um, dass Eberswalde den Sprachanteil als zu hoch im Vergleich zu den Pflegekenntnissen einschätzt. „Wir müssen den Teilnehmern aber erklären, was im medizinischen Sinne oder im Pflegebereich mit Waschschüssel gemeint ist und was sich hinter dem Begriff Seiflappen verbirgt“, argumentiert Ilona Thiedig. Dies sei die Voraussetzung für eine spätere ein- bis dreijährige Vollausbildung.
Es könne nicht sein, dass ein zertifizierter Kurs ausgebremst werde, so die Landtagsabgeordnete der Grünen, Carla Kniestedt, die sich in dieser Sache eingeschaltet hat. „Es handelt sich hier um eine wirklich gute Sache. Alle wollen das: Lehrer, ausländische Azubis und auch deutsche Azubis, die dadurch besser mit Geflüchteten in Kontakt kommen.“

Keine direkte Zuweisung

Die Arbeitsagentur erkennt die Zertifizierung an, heißt es seitens der Eberswalder Geschäftsführung. Der Kurs könne geeignet sein „für Menschen mit einem Migrationshintergrund, die über gute Vorkenntnisse der deutschen Sprache verfügen und in diesem Kurs neben dem fachlichen Wissen zusätzliche Fach-Sprachkenntnisse für die Pflege erwerben“. Jedoch weise die Agentur keine Teilnehmer konkreten Maßnahmen zu. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, würde der Kunde einen Bildungsgutschein erhalten und könne dann selbst entscheiden, bei welchem Träger er die Weiterbildung absolvieren möchte.
Der Knackpunkt ist allerdings, ob Zuwanderer sich im deutschen Ausbildungsdschungel soweit zurechtfinden, dass sie den Kurs überhaupt entdecken. Normalerweise greifen hier Agenturen und Jobcenter beratend ein. „Ich habe mich persönlich von der Qualität und der Ausgewogenheit des Kurses überzeugt“, so Tamara Gericke, Integrationsbeauftragte der Uckermark. Sie wirbt unbedingt für solche Formen der Qualifizierung, um gerade auch Frauen einen Einstieg auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.