Im Land Brandenburg gilt Schwedt mittlerweile als Vorzeigestadt in Sachen Stadtumbau. In der Vergangenheit wurde bereits zweimal die Wohnungsgenossenschaft Wobag für gelungene Beispiele guter Wohnungsbauprojekte ausgezeichnet. Das Lindenquartier und die Kranichsiedlung der Wobag erhielten schon das Qualitätssiegel des Branchenverbandes Berlin Brandenburgische Wohnungsunternehmen (BBU). Am Donnerstag konnte sich nun die kommunale Wohnungsgesellschaft Wohnbauten über ihre erste und die 97. Auszeichnung im Land freuen. Damit würdigten der BBU und Staatssekretärin Ines Jesse vom Brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur die sechs neuen Mietshäuser der Wohnbauten in der Gatower Straße. Sie seien beispielhaft für gelungenen Stadtumbau in Schwedt.
In der Gatower Straße wurden 2012 zwei Plattenbauten der Wohnbauten mit 136 Wohnungen abgerissen. Anschließend baute das Unternehmen an deren Stelle für 5,3 Millionen Euro sechs neue Mietshäuser mit insgesamt 42 Wohnungen. Die Häuser, seit einem Jahr bezogen, haben Mietergärten im Parterre und gemeinsam nutzbare Grünstreifen zu den vorhandenen Gärten der Einfamilienhäuser an der Helbigstraße. "Manche Mieter mussten wir mit ihren Wünschen schon bremsen, weil sie dort wirklich das Gefühl haben, im eigenen Heim zu leben", erzählt Projektleiter Friedhelm Werner. Für ihre Wohnungen konnten sich die Mieter selbst aussuchen, welche Tapeten, Türen, Fliesen oder Laminatböden sie wünschen. Der zentrumsnahe, ruhige Bauplatz wäre sicher heiß begehrt für Eigenheimbauer. Die Wohnbauten haben die gute Wohnlage im Rahmen des Stadtumbaus für Mieter erhalten.
Großen Anteil daran hatte Manfred Wilke, pensionierter Wohnbauten-Geschäftsführer. Ihn hatte Nachfolgerin Maren Schmidt zur Auszeichnung eingeladen. Mit den Worten "Wir sind sehr stolz, dass wir diese Auszeichnung erhalten, aber wir wollen uns natürlich nicht mit fremden Federn schmücken", bat sie den langjährigen Wohnbauten-Chef, die Dankesworte zu halten. Der plädierte dafür, dass noch mehr Ersatzneubauten wie diese errichtet werden. Es gäbe noch zu viele Plattenbauten in Schwedt, die in der Zukunft nur bedingt die Wünsche der Mieter erfüllen können. In Richtung Land bekräftigte er, dass der Ersatzneubau stärker gefördert werden sollte als Modernisierung und Instandsetzung. Die sei in Schwedt im Wesentlichen abgeschlossen.
Der BBU erhofft sich übrigens aus dem Wohnprojekt "Grün Wohnen" in der Gatower Straße selbst einige erhellende Erkenntnisse. Die Wohnbauten haben in den sechs nahezu gleichen Häusern unterschiedliche Dämmstärken und Energiekonzepte umgesetzt. Fernwärme, Erdwärme, Solarthermie und Wärmerückgewinnung aus der Raumbelüftung und unterschiedlich starke Dämmungen kamen zum Einsatz. So kann nach einer gewissen Zeit im Praxistest verglichen werden, welche energetischen Maßnahmen wirklich sinnvoll sind. Mittlerweile ist schon von einem Dämmwahn die Rede.