Jeder fünfte Jugendliche bricht seine Ausbildung oder das Studium vorzeitig ab. Ursachen sind meist neben Überforderung die späte Erkenntnis, dass die Berufsrichtung doch nicht zu den persönlichen Interessen und Fähigkeiten passt oder man andere Erwartungen hatte. In der Uckermark bekommen Schüler deshalb schon die Chance, ihre eigenen Fähigkeiten, Stärken und Interessen frühzeitig besser kennenzulernen und sich auszuprobieren, um selbstsicherer und erfahrener die richtige Wahl kennenzulernen.

Initiative des Bundesbildungsministeriums

Mit dem Projekt der Potenzialanalyse bietet das Angermünder Bildungswerk allen weiterführenden Schulen der Region die Möglichkeit, in praxisorientierten Workshops eine Art Eignungs- und Selbsterfahrungstests für Jugendliche durchzuführen und Kompetenzen und Potenziale zu analysieren, die bei der richtigen Berufswahl helfen können.
Das Projekt ist eine Initiative, die vom Bundesbildungsministerium gefördert und in allen Bundesländern umgesetzt wird. In manchen ist sie Pflicht, in Brandenburg freiwillige. Für die Uckermark hat das Angermünder Bildungswerk den Zuschlag für die Durchführung bekommen. Es bietet mit vielfältigen Werkstätten, jahrelangen Erfahrungen in der Berufsorientierung und -ausbildung beste Voraussetzungen dafür.

Projekt ist keine Berufsberatung

„Die Potenzialanalyse ist keine Berufsberatung. Die Schüler können sich durch verschiedene standardisierte Tests und Aufgaben selbst besser kennenlernen und ausprobieren, wo ihre Stärken liegen“, erklärt Projektleiter Thomas Greiner. Über 800 Schüler aus 13 Schulen der Uckermark, vom Gymnasium bis zur Förderschule, haben sich in diesem Jahr dafür angemeldet. Dank der Förderung ist die Teilnahme einschließlich des Transportes kostenlos.
Die 8. Klassen des Gauß-Gymnasiums in Schwedt gehören dazu. Jede Klasse verbringt einen Tag im Angermünder Bildungswerk und durchläuft in kleinen Gruppen verschiedene Stationen. So füllt beispielsweise jeder Schüler am PC einen persönlichen Fragebogen aus, wo es um die Selbsteinschätzung, um Hobbys und Interessen geht. Auch praktische Aufgaben gehören dazu, die die Jungen und Mädchen einzeln, als Partnerarbeit oder im Team lösen sollen. So tüfteln sie beispielsweise, wie man aus Papier eine stabile Murmelbahn baut.

Jeder Teilnehmer wird genau beobachtet

„Wir wollen aber keine perfekten Murmelbahnbauer heranbilden. Die Aufgaben sind Mittel zum Zweck, um soziale Kompetenzen und Fähigkeiten besser erkennen zu können“, erklärt Thomas Greiner. „Die Betreuer beobachten jeden Schüler sehr aufmerksam. Wie ist die Kommunikation? Kann er strukturiert arbeiten? Wie bringt er sich in die Gruppe ein? Ist er Teamplayer oder hält er sich eher zurück? Das werten wir aus und geben den Schülern ein Feedback. Außerdem sollen sich die Jugendliche selbst und gegenseitig bewerten. Es geht darum, Stärken zu erkennen und zu stärken.“
Am Ende bekommt jeder Teilnehmer eine individuelle Potenzialanalyse, die auf Wunsch gemeinsam mit den Eltern ausgewertet wird. „Manchmal sind sie überrascht, was in ihrem Kind steckt. Und auch die Kinder staunen, wo sie sich mehr zutrauen könnten.“

Hilfe bei der Selbstfindung

Für Lehrerin Anne-Katrin Schleicher vom Gauß-Gymnasium ist diese Selbstbestätigung das Beste am Projekt: „Ich finde es wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung der Schüler. In der Pubertät sind sie auf der Suche nach ihrem Ich und oft unsicher. Die Analyse kann helfen, sich selbst anzunehmen aber auch abzugrenzen.“
Die Schüler können die Auswertung kaum erwarten, die in der Schule stattfinden wird. „Ich bin gespannt, ob ich danach besser weiß, welcher Beruf zu mir passen könnte. Bisher hab ich keine Ahnung“, sagt Cora. Und Hanna ergänzt: „Ich finde toll, dass wir uns an verschiedenen Angeboten ausprobieren können. Entweder man bekommt eine Orientierung, was einem gut liegen würde oder man wird in seinen Stärken bestätigt.“