Am 18. September hatte Elternsprecher Enrico Rahn den Bildungsminister über die alarmierende Situation an der Grundschule Erich Kästner informiert und die Arbeit der Regionalstelle Frankfurt des Landesamtes für Schule und Lehrerbildung kritisch hinterfragt. In der Erich-Kästner-Grundschule werden 265 Schülerinnen und Schüler in 14 Klassen unterrichtet.
Bis zum 25. September hatten die Eltern auf eine Antwort aus dem Bildungsministerium gehofft, also noch vor der ersten planmäßigen Elternkonferenz am 28. September, um konkrete Vorschläge zur Lösung dieser Problematik zu bekommen.
Die Ministerantwort verspätetet sich. Sie stammt vom 7. Oktober. Darin bestätigte Günter Baaske, der die Regionalstelle Frankfurt um eine Stellungnahme gebeten hatte: "Seit Beginn des Schuljahres 2015/2016 konnte der Stundenbedarf der Schule, unter anderem durch zwei langzeiterkrankte Lehrkräfte, nicht vollständig umgesetzt werden, was die Anforderungen des Unterrrichtsbetriebes vor hohe Anforderungen stellte."
Neben der Einstellung von drei Lehrkräften über das Vertretungsbudget war es erforderlich, bis zu den Herbstferien (16. Oktober 2015), die Klassen der Jahrgangsstufe 4 und der 6. Jahrgangsstufe zu jeweils zwei Klassen zusammenzulegen." Offenkundig schätzte die Regionalstelle ein, dass damit "eine vollständige Absicherung der Stundentafel erreicht worden ist". Nach den Herbstferien, ab 1. November, soll eine weitere Lehrkraft eingestellt werden. Damit, so der Minister, sei der Unterrichtsbetrieb wieder gewährleistet und die Stundentafel abgedeckt. Die Regionalstelle hat dem Minister versichert, "dass die Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern zur Einstellung an der Erich-Kästner-Grundschule Schwedt weiterhin prioritär erfolgt".
Minister Baaske will den zuständigen Schulrat, Roland Klatt, bitten, die Modalitäten an der Schule in Schwedt zu besprechen. Klatt werde den Elternsprecher Enrico Rahn dazu einladen.
Zum Ende des Schuljahres 2014/2015 hatten bereits vier Lehrer die Schule verlassen. Allein in der zweiten und dritten Schulwoche waren bereits 69 Stunden ausgefallen. Von aktuell 16,85 Lehrerstellen waren nur 16 Stellen auf dem Papier besetzt. Eine Lehrerin davon ist schon lange krank, eine weitere arbeitete im Hamburger-Modell nur sehr wenige Stunden pro Woche. Eine Klasse hatte keinen Klassenlehrer. Die Schüler waren auf die Parallelklassen aufgeteilt worden. Eine dieser Parallelklassen hat eine sportbetonte Ausrichtung. Deshalb konnten die aufgeteilten Kinder in den Trainingsstunden nicht betreut werden. "Für die anderen Klassen ist ein regulärer Unterrichtsbetrieb mit allen Sollstunden nicht möglich", schrieb Enrico Rahn im September an den Minister. Vor allem wegen der Ausfallstunden in den 6. Klassen machen sich die Eltern Sorgen. Sie befürchteten "fatale Folgen" für die Bewerbung ihrer Schützlinge an weiterführenden Schulen. Drei Wochen lang erhielten die Schüler wegen der Notfallstundentafel erst am Vortag mitgeteilt, wer tags darauf wann welchen Unterricht hat.
Auch Schulleiterin Martina Kobs hatte auf eine baldige Lösung des Problems gehofft.
Schulamt sucht Lehrer für Kästnerschule