Zwei Tage lang hat ein Großfeuer 1880 in der Zigarrenfabrik Dieterle am Flinkenberg gewütet. Das Unglück gab den letzten Anstoß zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Schwedt. Rund 50 Männer haben diese Wehr am 4. Oktober 1880 gegründet. Das ist jetzt 140 Jahre her, und aus den 50 Freiwilligen von einst sind heute 230 aktive Retter geworden, darunter auch Frauen.

Löschen, retten, bergen

Die Aufgaben der ehrenamtlichen Brandschützer haben sich drastisch gewandelt. Nicht nur das Löschen von Bränden in Häusern, Firmen und Wäldern gehört dazu, sondern technische Hilfeleistung bei Unfällen, das Bergen von Verletzten oder gar Toten sowie das Schützen von Gebieten bei Hochwasser.
1991 hat sich Schwedt entschieden, 18 Kameraden der Freiwilligen Wehr als hauptamtliche Kräfte zu beschäftigen. Doch der Wandel ging weiter. Durch die Eingemeindung von Dörfern sind sieben eigenständige Wehren in den Ortsteilen hinzugekommen.
2019 haben ehrenamtliche Feuerwehrleute 92 Brände bekämpft. Die meisten Alarme gab es wegen technischer Hilfeleistungen. Deshalb rückten die Feuerwehren im vergangenen Jahr 389 Mal aus. Sie fuhren zu Verkehrsunfällen, pumpten Keller aus, beseitigten Sturmschäden und öffneten im Notfall Türen.

Starke Frauen sind dabei

Im freiwilligen Einsatz ist auch Mandy Kolberg, Erzieherin in einer Schwedter Kita. Sie schätzt die Gemeinschaft, die Kameradschaft und die Jugendarbeit in der Feuerwehr. „Ich bin kein Einzelfall“, sagt sie. „Von uns Feuerwehrfrauen gibt es noch viel mehr. Das sind tolle Frauen, die sich engagieren.“ Längst hat Mandy Kolberg auch ihren 13-jährigen Sohn Jacky mit dem Feuerwehrvirus angesteckt.
Der Wandel geht weiter. Schwedt hat zwei Löschzüge – den in der Heinersdorfer Straße und den in der Bäckerstraße. Der letztere ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Aber auch in der Heinersdorfer Straße sind Verbesserungen notwendig. „Wenn wir schon investieren, dann machen wir es richtig und schaffen einen neuen Standort – schnell erreichbar und zentral“, erläutert Jürgen Polzehl. Zwischen Werner-Seelenbinder-Straße und Handelsstraße ist dieser Standort gefunden worden. Beide Löschzüge werden dort zusammengeführt. Das kostet 10 Millionen Euro.

Die größte kommunale Investition

Die neue Feuerwache ist die größte kommunale Investition überhaupt. Kein anderes Vorhaben der Stadt, wie zum Beispiel die neue Nationalpark-Kita, Schulanbauten oder die Sportanlage Heinrichslust haben diese Größenordnung. „Der Neubau für die Feuerwehr ist eine Wertschätzung der Stadt für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Wir wollen das Signal aussenden: Die Freiwilligen sind uns wichtig. Außerdem haben wir eine steigende Tendenz, dass die Wehr immer öfter von Einwohnern und Firmen gerufen wird“, sagt Jürgen Polzehl.
Ein Planungsbüro, das bereits Erfahrung mit dem Errichten von Feuerwehrbauten hat, hat seine Arbeit aufgenommen. Schwedter Feuerwehrleute können da mitreden und geben Hinweise für technische Erfordernisse oder den Aufenthalt bei Tag und Nacht. Schlafräume, Küche, Duschen, Sportmöglichkeiten, Fahrzeuggebäude und Feuerwehrturm – an vieles muss gedacht werden. Außerdem wird es eine Alarmausfahrt von der neuen Wache direkt auf die Seelenbinderstraße geben. „Ziel ist, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kameraden im Ehrenamt verbessern und die Zusammenarbeit von Haupt- und ehrenamtlichen Kräften effektiver wird“, erläutert der Bürgermeister.

Kooperation mit Wohnbauten GmbH

Die Stadt hat eine Kooperationsvereinbarung mit der Wohnbauten GmbH geschlossen. Sie wird die neue Feuerwache bauen. „Wir haben gute Erfahrungen mit Wohnbauten gemacht. Die haben das Know How“, ist Polzehl überzeugt. Er sieht noch andere Effekte. Das Objekt in der Heinersdorfer Straße wird leer gezogen, vermutlich sehr zur Freude der Anwohner, die bei Alarm oft zusammenzucken. Beim Löschzug Heinersdorfer Straße wird es keine Ruine geben. Die Wohnbauten GmbH bereitet das Areal für neuen Wohnungsbau vor.

Umrüstung von Atemschutzgeräten

Im Rathaus ist man jetzt dabei, Fördermittel zu beschaffen. Wenn alles klappt, könnte 2022 Baubeginn sein und die neue Wache Ende 2023 einziehen.
Die Stadt Schwedt als Träger des Brandschutzes investiert bis dahin weiter, und zwar in Größenordnungen. Gerade erwarten Stadt und Feuerwehr die Lieferung einer Drehleiter. Die jetzige ist veraltet, die Neubeschaffung mehr als notwendig. Das kostet 700.000 Euro.
In den nächsten zwei Jahren stellt die Stadt 100.000 Euro bereit für die Umrüstung auf Überdrucktechnik im Atemschutz der Feuerwehrleute. So etwas hätten sich die 50 Gründer von 1880 nie vorstellen können.

230 aktive Retter


Die Freiwillige Feuerwehr Schwedt besteht aus rund 230 aktiven Männern und Frauen. Es gibt 120 Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr und 50 in der Alters- und Ehrenabteilung. Der 1. und 2. Zug der Ortsfeuerwehr Schwedt bilden den Kern der Freiwilligen Feuerwehr. Dazu gehören 80 aktive Retter, 40 Kinder und Jugendliche sowie zehn Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung. Löschzug 1 und 2 haben ihren Sitz in der Heinersdorfer Straße im Zentrum und in der Bäckerstraße im Camp. emw