Jeder Tag ohne Bücher ist ein verlorener Tag. Das sagt auch Bernd Woite. Der 49-jährige Schwedter ist begeisterter Leser und möchte seine Leidenschaft gern mit anderen teilen. "Ich fand die Idee eines öffentlichen Bücherschrankes schon immer genial. Man findet sie in vielen Städten, ob als Schrank oder ausgemusterte Telefonzelle. Dort kann sich jeder mit neuem Lesefutter versorgen, zu neuer Lektüre inspirieren lassen und gleichzeitig Bücher, die man schon gelesen hat, anderen zur Verfügung stellen – das ist eine wunderbare Idee", sagt Woite.
Und er hat sie mit seiner Familie in die Tat umgesetzt. Seit wenigen Tagen gibt es ihn, den ersten öffentlichen Bücherschrank von Schwedt. Auf dem frei zugänglichen Parkplatz der Rechtsanwaltskanzlei von Bernd und Jörg Woite steht das kleine Bücherregal mit zwei Dutzend Büchern, angefangen von Sommerlektüre wie Patricia Shaws "Sterne am Strand" oder "Die Sommertänzerin" von Judith Kinghorn bis hin zur Biografie des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Die ganze Familie sowie Freunde und Bekannte haben für die Erstausstattung Bücher beigesteuert. Ab jetzt soll der Schrankinhalt ein Eigenleben entwickeln.
Den Schrank hat Schwiegervater Hermann Nölting aus Holzresten und einer Plexiglasscheibe zum Schutz gezimmert. "Wir haben die Befestigung der durchsichtigen Tür noch etwas verstärkt, nachdem sie an einem windigen Tag mehrmals von allein aufging", erzählt Bernd Woite. Jetzt ist der Schrank gut vor Wetter geschützt und der Lesebegeisterte ist gespannt, wie ihn die Leute in seinem Wohngebiet oder Kunden annehmen.
Geteilte Freude und Ressourcen
"So ein Bücherschrank kann Begegnungsort und zur kleinen Bildungsstätte werden. Wer will, kann jederzeit ein Buch bringen oder mitnehmen. Der Bücherschrank fördert auf einfache und unkomplizierte Weise den Tausch von Büchern", sagt Bernd Woite. "Der Gedanke des Teilens findet ja zunehmend Verbreitung, so wie beim Carsharing, Couchsurfing oder beim Kleidertausch. Warum soll man nicht auch seine Lieblingsbücher mit anderen Menschen tauschen? Geteilte Freude, sagt man, ist doch doppelte Freude und außerdem werden auch noch Ressourcen geschont."
Um so bedauerlicher findet es der Lesefreund, dass sich die Idee in Schwedt nicht schon lange durchgesetzt hat. Seit 2017 wird der öffentliche Bücherschrank regelmäßig für das Bürgerbudget vorgeschlagen. Doch gegen publikumswirksame Vorschläge, für die Unterstützer in ihren Vereinen oder Ortsteilen Stimmen sammelten, hatte das Tauschportal für Bücher keine Chance. 2017 kam die Idee mit 357 Stimmen auf Platz 10, 2018 erhielt sie 188 Stimmen und landete auf Platz 18. Beim 2019er-Bürgerbudget gab es 216 Stimmen für den Schrank – Platz 13. 1100 Stimmen hätte er gebraucht, um realisiert zu werden.
Für 2020 steht er wieder auf der Liste. "Meine Unterstützung hat er – jeder Stadtteil sollte so einen Bücherschrank haben", sagt Bücherfreund Woite.