Für das nächste Bürgerbudget sind 44 Vorschläge im Rathaus eingetroffen. 28 davon sind ungültig, weil sie die Kriterien nicht erfüllen, zum Beispiel wegen Mehrfachnennung. Schließlich sind 16 Vorschläge zur Abstimmung durch die Einwohner zugelassen worden. Die Idee zur Weiterverwendung des Kunstwerkes „Anwendung der Arznei“ gehört nicht dazu. Jetzt sind Schwedter, die sich für dieses Kunstwerk stark machen, enttäuscht.
Im Kern geht es bei diesem Vorschlag darum, das Wandbild aus Meißener Spaltkeramik, das sich in der geschlossenen Apotheke am Klinikum befindet, zu retten. Dieses Wandbild aus den 1970-er Jahren hat einst den Kundenraum geschmückt und mit seinem Witz die Apothekenbesucher erheitert. Das Werk stammt vom Künstler Gerhard Goßmann und ist wertvoll. Doch die alte Apotheke soll ab Oktober abgerissen werden.

Haus mit viel Publikum

Liane Morgner, die in Schwedt Galerieleiterin war, will das Kunstwerk retten und hat Zuspruch in der Bürgerschaft gefunden. Sie schlägt vor, das Goßmann-Bild umzusetzen, und zwar in den Eingangsbereich des Ärztehauses im Stadtteil Am Waldrand. Die Idee hat Charme, denn in diesem Haus herrscht Publikumsverkehr. Dort haben Ärzte und Physiotherapeuten ihre Praxen. Außerdem gibt es dort eine Sparkassenfiliale und eine Apotheke.
Bevor die Vorschläge zur Abstimmung durch die Bürger zugelassen werden, überprüfen Fachämter im Rathaus die eingereichten Ideen. So war es auch im Falle des Wandbildes, versichert Riccardo Tonk im ablehnenden Bescheid gegenüber Liane Morgner. Er ist Stadtkämmerer und zuständig für Angelegenheiten rund ums Bürgerbudget.
Das Bild sei für die Fläche im Ärztehaus schon aufgrund seiner Größe nicht geeignet, schreibt er. „Unabhängig davon müssten weitere Kosten für die Umsetzung des Hauptwegweisers, eines Heizkörpers, Bewegungsmelders, Datensammlers und Papierkorbes aufgewendet werden“, heißt es weiter. „Der Hauptwegweiser erfüllt jedoch einen unverzichtbaren Zweck zur Orientierungshilfe der Besucher. Außerdem handelt es sich beim Ärztehaus um eine Eigentümergemeinschaft.“

Widerspruch hat nichts gebracht

Das letzte Argument scheint der springende Punkt für die Ablehnung zu sein. „Über das Eigentum Dritter kann man nicht verfügen“, sagt Roald Helm. Er ist Geschäftsführer der Wohnbauten GmbH Schwedt, die zur Eigentümergemeinschaft des Ärztehauses gehört. „Das Haus ist kein städtisches Eigentum. Die Initiatoren sind im Vorfeld auch nicht bei uns vorstellig geworden.“ Helm mag Recht haben. Aber ob es engagierten Bürgern zuzumuten ist, im Vorfeld so umfangreiche Nachforschungen zu betreiben, steht auf einem anderen Blatt.
Liane Morgner hat Widerspruch gegen die Ablehnung ihres Vorschlages eingelegt. Inzwischen hat aber auch der Kulturausschuss ihre Idee nicht zur Abstimmung fürs Bürgerbudget zugelassen. „Das ist sehr schade“, sagt sie und fragt: „Wo haben wir je so eine Bereitschaft von Bürgern gehabt, ein Kunstwerk zu retten?“ Spontan seien ihr zwei Spenden von je 100 Euro angeboten worden. Davon könnte der Wegweiser umgesetzt werden, meint sie. Mike Voß, Inhaber der Apotheke Am Waldrand, hat 5.000 Euro Kostenbeteiligung angeboten „Es wäre schön, wenn das Kunstwerk ins Ärztehaus käme. Die Idee hat auch andere Mieter begeistert.“

Stadt verspricht, das Kunstwerk später wieder aufzustellen

Riccardo Tonk versichert, „dass die Stadt das Fliesenbild im Oktober fachgerecht abbauen und einlagern wird. Es ist bestrebt, das Kunstwerk zu einem späteren Zeitpunkt an einem noch nicht definierten Standort wieder aufzubauen.“ Liane Morgner äußert die Befürchtung: „Ich kenne Kunstwerke, die auf ewig eingelagert wurden.“ Sie will die Angelegenheit genau weiter verfolgen.
Vom 27. September bis 11. Oktober können Einwohner über die 16 zugelassenen Vorschläge zum Bürgerbudget abstimmen (Internet oder Stimmzettel). Die Realisierung der Sieger-Ideen erfolgt ab 2021.

Bürgerbudget


Stadtverordnete haben 2016 beschlossen, dass Schwedt ein Bürgerbudget von jährlich 75. 000 Euro einrichtet. Das erste Geld aus diesem Budget wurde 2017 in investive Maßnahmen der Stadt gesteckt. Die Vorschläge dazu hatten Einwohner selbst gemacht. Das ist das Prinzip des Bürgerbudgets: Einwohner können sich mit ihren Ideen für Projekte, die von gemeinnützigem Interesse sind, einbringen. Jedes Einzelprojekt muss in Zuständigkeit der Stadt liegen und darf maximal 15.000 Euro kosten. Über die Vorschläge eines jeden Jahres stimmen die Einwohner dann ab.