Der neue Direktor ist Pendler. Er kennt die Situation vieler Angermünder und Schwedter mit den leidigen Verkehrsverbindungen also nur zu gut. Knapp zwei Stunden ist der in Berlin wohnende Richter täglich mit dem Zug unterwegs zu seinem neuen Job am Schwedter Amtsgericht, abends dauert die Rückfahrt noch einmal so lange. Die Bauarbeiten der Bahn am Karower Kreuz, die jede Fahrt zusätzlich um 20 bis 25 Minuten verlängern, ärgern ihn genauso wie die tausenden Autofahrer die gesperrte B 198. Er versucht, sagt er, zumindest manchmal die Zeit zu nutzen, um einen Gesetzestext noch einmal nachzulesen, wenn ein Fall mal wieder sehr verzwickt ist.
Einmal die Woche fährt der neue Direktor nach Prenzlau. Bis auch dort die ausgeschriebene Stelle des Direktor wieder regulär besetzt ist - schon 2016 verabschiedete sich dort Direktor Roger Schippers und wechselte ans Amtsgericht Perleberg - führt Jochen Petz das Prenzlauer Amtsgericht weiterhin mit. Er bittet deshalb um Verständnis, wenn er als Direktor noch keine eigenen Schwerpunkte in Schwedt setzten konnte. "Das ist bei der Doppelbelastung momentan nur schwer möglich", erklärt Jochen Petz.
Der neue Direktor ist in Stuttgart geboren, sein Vater ist ebenfalls Richter. Jochen Petz studierte Jura in Berlin und arbeitete bereits an mehreren Amtsgerichten, am Landgericht in Potsdam und Neuruppin und als persönlicher Referent im Justizministerium.
Im Schwedter Amtsgericht werden Zivilsachen und Familiensachen, aber auch Strafsachen, Ordnungswidrigkeitensachen, Betreuungs- und Unterbringungssachen, Nachlasssachen und Grundbuchsachen sowie Zwangsvollstreckungssachen verhandelt. Auch Jugendstrafsachen werden in Schwedt angeklagt, ihre Zahl ist aber deutlich rückläufig, so Petz. Der Direktor ist als Richter vorwiegend für Familiensachen zuständig, aber auch für Eilentscheidungen wie Haftanträge, Unterbringungs- und Freiheitsentziehungsachen sowie für Arbeitsrechtssachen.