Passow ist auf der großen Planungskarte der Uckermark nicht mehr als bedeutender Klein-Ort vorgesehen. Darüber informiert die Planungsstelle der Regionalversammlung Uckermark-Barnim. Die Behörde hat ein Netz von wichtigen Ortschaften herausgearbeitet, in denen es Bahnhöfe, Schule, Busbahnhöfe, Ärzte, Bibliothek, Kita, Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken und andere Dinge der Daseinsvorsorge auf dem Lande gibt. Zu den auserwählten Orten gehören Boitzenburg, Brüssow, Fürstenwerder, Gartz, Gerswalde, Gramzow und Lychen.
Passow fehlt. Eigentlich hatte man sich stark bemüht, alle vom Land vorgegebenen Kriterien zu erfüllen. Denn wer offiziell als „grundfunktionaler Schwerpunkt“ in der Behördensprache gilt, bekommt dafür in Brandenburg 100.000 Euro zusätzlich an Zuweisungen. Pro Jahr. Eine Stange Geld, die zum Erhalt dieser zentralen und für die Landbevölkerung wichtigen Einrichtungen gedacht ist und eine gewisse Umlandfunktion für kleinere Orte drumherum honoriert.

Zahnärztin ist verschwunden

Doch nun das Aus. Dafür gibt es zwei Gründe: Zunächst ist die Zahnärztin in diesem Jahr abhanden gekommen. Sie wechselte in den Gartzer Raum. Ihre bisherige Passower Praxis steht leer, obwohl das Dorf auch bauliche Veränderungen vornehmen wollte. Daher sucht die Gemeinde dringendst nach einer Nachfolge. Bürgermeister Silvio Moritz hat bereits Kontakt mit der Zahnärztekammer und dem Fachärzteblatt aufgenommen. „Passow ist ein idealer Standort“, so Moritz. „Je früher ein Ersatz gefunden wird, desto besser kann der Nachfolger auf die Gestaltung der Praxisräume Einfluss nehmen.“ Die Räumlichkeiten werden von der Gemeinde vermietet. Im gleichen Gebäude befindet sich auch eine Arztpraxis.
Zweiter und weitaus gewichtigerer Grund für die überraschende Aberkennung des Titels als Schwerpunktort ist aber der Beschluss des Dorfes zum Wechsel aus dem Amt Oder-Welse zur Stadt Schwedt. Die Sache soll zum Jahresende über die Bühne gegangen sein. Weil Passow dann zum Ortsteil einer Stadt wird, kann es kein Grundfunktionales Zentrum mehr darstellen und auch kein zusätzliches Landesgeld bekommen. Diese Aufgabe muss dann Schwedt übernehmen.

Solidarität der Gemeinden

„Wir haben über das Ganze rechtzeitig informiert, um den anderen Schwerpunktorten nicht in den Rücken zu fallen“, erklärt Silvio Moritz. „Möglicherweise hätten die sonst im nächsten Jahr kein Geld bekommen.“ Hier müsse aber eine gemeindliche Solidarität gelten.
In den Vertragsverhandlungen mit Schwedt will Silvio Moritz nun auch die Punkte der Daseinsvorsorge dauerhaft verankern. Schule, Kita und alle angesprochenen Kriterien der bisherigen Struktur würde Schwedt erhalten. Dies habe sich bereits jetzt schon in der ersten Verhandlungsrunde herauskristallisiert. „Schwedt hat ja gar kein Interesse daran, dass hier irgendwelche Nachteile für Passow entstehen“, sagt Moritz.

Schwedter Anschluss an die Fernbahn

Ganz nebenbei profitiert auch die Oderstadt. Denn sie bekommt durch den Passower Bahnhof einen direkten Anschluss an die wichtige Eisenbahnlinie Berlin-Stettin. Knackpunkt bei den gegenwärtigen Verhandlungen seien noch die Bedingungen des öffentlichen Nahverkehrs vor allem in den Ortsteilen von Passow.