Nein zu höheren Kita-Gebühren, Nein zur neuen Kita-Satzung, Ja zu gelebter Familienfreundlichkeit, Ja zur Beitragsfreiheit für Kitas. Mit diesen Forderungen haben betroffene Eltern eine Petition gegen den Beschluss der Schwedter Stadtverordneten gestartet.
Die neue Kita-Satzung tritt am 1. August in Kraft. Eltern wie Thomas Winter haben bereits ihren Gebührenbescheid. Statt bisher 256 soll die junge Familie nun monatlich 325 Euro für die Betreuung ihres Kindes in einer Schwedter Kita zahlen. Ein Plus von 69 Euro, eine Kostensteigerung von knapp 27 Prozent. „Die Stadt hatte gesagt, die Beiträge steigen moderat um durchschnittlich fünf Prozent, teilweise sollen sie sogar günstiger ausfallen. Aber von moderat kann ja wohl keine Rede sein. Ist ja ganz klar, was hier abläuft. Das letzte Kita-Jahr wird beitragsfrei, jetzt holt sich die Stadt das fehlende Geld von uns“, schimpft der Vater.
Doch diesmal bleibt es nicht beim Schimpfen. Auch Thomas Winter unterstützt eine Petition im Internet, die sich gegen die neue Kita-Satzung wehren will. Drei mutige junge Mütter haben die Elterninitiative gegründet und auf der Internet-Plattform OpenPetition zum Protest gegen die Kita-Satzung aufgerufen. Bereits nach einer Woche haben mehr als 500 Unterstützer die Petition unterschrieben. Sechs Wochen läuft die Aktion. Danach soll die Petition an die Stadtverordnetenversammlung und den Bürgermeister geschickt werden. „Wir hoffen, dass wir viele Unterstützer finden. Dann merken die Stadtverordneten vielleicht, dass sie einen Fehler gemacht haben.
Die Petition kreidet der neuen Satzung an, dass Eltern jetzt bis zu 980 Euro im Jahr mehr zahlen sollen, dass Ferienreglungen nicht sozial gestaffelt sind, dass die Kalkulation zweifelhaft ist und dass für Frühstück und Vesper zusätzlich gezahlt werden soll, aus Sicht der Eltern ist das rechtlich gar nicht zulässig. Vor allem aber ärgert die Mütter, dass Schwedt die Gebühren überhaupt anhebt. „In Berlin und anderen Bundesländern wurden die Kitagebühren abgeschafft und die Kinderbetreuung ist kostenlos. Auch Brandenburg will das, hat der Landtagsabgeordnete Mike Bischoff in der Stadtverordnetenversammlung beteuert. Und trotzdem hat er für die höheren Gebühren gestimmt. Das ist nicht nachvollziehbar und es schadet dem Standort Schwedt. Welche jungen Fachkräfte, die Schwedt dringend braucht, finden denn eine Stadt attraktiv, die ihre Familien mit Kindern so benachteiligt“, sagt Anja Urbaniak. Für sie und ihre Mitstreiterinnen ist der Beschluss der Stadtverordneten ein klarerer Standortnachteil und schadet Schwedt.
Anja Urbaniak arbeitet im Asklepios Klinikum Uckermark und hat vor kurzem Zwillinge bekommen. Auch Sabrina Haase ist berufstätig, hat zwei Söhne, beide im Kita-Alter. Maxi Schneider ist PCK-Mitarbeiterin, ihre Tochter Zoey knapp zwei Jahre alt.  Alle drei sind von den neuen Kita-Gebühren betroffen. „Wenn beide Eltern arbeiten, ist man gezwungen, sein Kind in die Kita zu bringen. Das bedeutet für uns, dass wir monatlich 368 Euro zahlen müssen, 82 Euro mehr als laut alter Satzung“, rechnet Maxi Schneider vor.
Das Problem der krassen Gebührenerhöhung haben vor allem Familien mit zwei Verdienern. Beträgt ihr Bruttoeinkommen pro Person 2000 Euro im Monat – und dabei wird auch Kindergeld angerechnet – rutschen sie in die Gebührenkategorie Elternhöchsteinkommen. Das betraf bisher 124 der 646 Familien mit Kita-Kindern in Schwedt, also jede fünfte Familie. Mit der neuen Satzung hat die Stadt das Höchsteinkommen von 43 000 auf 50 000 Euro heraufgesetzt, um geringer verdienende Eltern zu entlasten. Besserverdienende Eltern sollten mehr an den Kosten beteiligt werden, das war das Ziel der neuen Kita-Satzung, für die sich vor allem die Linke eingesetzt hatte.
„Wir fordern die Stadtverordneten auf, den Beschluss rückgängig zu machen“, sagt Maxi Schneider und Sabrina Haase fügt hinzu: „Wenn viele unsere Initiative unterstützen, schaffen wir es vielleicht sogar, dass die Bildung und Betreuung der Allerkleinsten auch in Schwedt kostenlos angeboten wird.“