Im Kleinen lässt sich das ganze Dilemma der großen bundesdeutschen Energiesorgen darstellen: Die Region Uckermark-Barnim kann jetzt schon ihren eigenen Strombedarf zu 250 Prozent aus eigener Produktion decken. Der überwiegende Teil geht rein rechnerisch in große Ballungsräume. Doch der benötigte Wärmebedarf kann nicht mal zur Hälfte selbst erzeugt werden, kommt also von auswärts. Betrachtet man allein die erneuerbaren Energien, so könnten sie 120 Prozent des Strombedarfs in Uckermark und Barnim decken. Bei der Wärme sind es nur zehn Prozent.
Fazit: Gerade die Energieströme sind ein wichtiger Kernpunkt der bundesdeutschen Energiewende. Seit einigen Jahren beherrscht das Thema sogar Gemeindevertretungen in entlegensten Dörfern. Der Bau der neuen Stromtrasse von 50Hertz Transmission, die Opal-Gasleitung oder der neue Windplan für Uckermark und Barnim zeigen, dass Übertragung, Speicherung und Verteilung von Energie eine wachsende Rolle bei gegenwärtigen Investitionen spielen. Bei der vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium einberufenen Energietour an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt diskutierten Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik die Auswirkungen von Windkraft, Netzausbau und steigenden Energiekosten.
Als existenziell bezeichnet der Schwedter Bürgermeister Jürgen Polzehl die Energiefrage für die Uckermark. Er führt fehlende Ansiedlungen darauf zurück, dass hierzulande die höchsten Netzentgelte zu entrichten sind. Die Preise würden Investoren abschrecken. Gleichzeitig verlangt er eine höhere Akzeptanz von Windrädern in der Bevölkerung. Dies könne nur erreicht werden, wenn sie von den Erlösen partizipieren könnten.
Der Ausgang der Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz werde die Region Uckermark und Barnim in jeder Hinsicht treffen, so Uckermark-Landrat Dietmar Schulze. Mit enormen Freiflächenanlagen der Photovoltaik wie in Groß Dölln, mit einem großen Anteil an Windeignungsgebieten, der gerade erweitert werden soll, sowie mit 27 Biogasanlagen sei es jetzt schon eine "sehr energetische Region", so Schulze. Er verwies auf gewünschte Symbiosen wie zum Beispiel die Beseitigung von Altlastenflächen durch Standorte erneuerbarer Energien oder die Nutzung von Gärresten aus der Biogas-Produktion für die Landwirtschaft.
Bei künftigen Entscheidungen zum Netzausbau und bei allen Regularien des Staates müssten die technischen Fähigkeiten privater Anbieter mit den Vorteilen der öffentlichen Hand verbunden werden, so Bodo Ihrke, Chef der Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim. Er wünscht sich vom brandenburgischen Wirtschaftsminister bessere Anreizsysteme für Verbraucher und Produzenten.
Wirtschaftsminister Ralf Christoffers schenkt allen Beteiligten in den Regionen reinen Wein ein. Ohne Windkraft auf dem Lande würden die Energieziele nicht zu schaffen sein. Wenn man Industrieland bleiben wolle, müsse man die Energiewende bewältigen. Über Finanzierungskonzepte der Energiewende sei zu spät mit der Diskussion begonnen worden. Zukünftige Kosten und Lasten dürften nicht auf zu wenige Schultern verteilt werden.