„Wie bei einer Theateraufführung“, witzeln die Frauen in der vierten Reihe. Sie sitzen auf Bierzeltbänken im Vorgarten des Dorfgemeinschaftshauses von Schmiedeberg unter Bäumen. Vor ihnen steht der Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer, der mit dem E-Bike an diesem Abend in den Ort gekommen ist. Schmiedeberg sei ihm wichtig, sagt er zu den Einwohnern.
Die spätsommerliche Abendversammlung gilt der Demokratie des Dorfes. Denn wegen Unstimmigkeiten gibt es zurzeit keinen Ortsbeirat mehr. Das dreiköpfige Gremium hat sich offenbar entzweit. Jedenfalls musste Bewer aufgrund zweier Rücktritte den Beirat ganz auflösen. Das verlangt das Gesetz. Damit droht die Zwangsverwaltung von Angermünde. Genau das aber will der Bürgermeister nicht. „Ganz weit weg“ würden dann Entscheidungen fallen und Ansprechpartner sein.

Bürger sind unzufrieden

Im Publikum rumort es. Die Bürger sind unzufrieden mit den Rücktritten ihres Ortsbeirats. Sie können die Querelen im Vorfeld nicht verstehen. Ganz offensichtlich möchte man ein eigenes Gremium im Ort behalten. Dafür sind Neuwahlen notwendig.
Für den 6. Dezember hat Frederik Bewer den Termin angesetzt. Ein sportliches Datum. Denn unter Einhaltung aller Fristen müssen bis zum 1. Oktober alle Wahlvorschläge potenzieller Bewerber im Rathaus vorliegen. Nun stellt sich die Frage, ob sich überhaupt Kandidaten finden. Denn der Ortsbeirat hat in der kommunalen Demokratie nur wenig zu sagen. Seine Mitglieder dürfen zwar die Probleme in den Dörfern entgegennehmen, doch über alles andere entscheiden Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung. Lediglich die sogenannten Verfügungsmittel kann der Ortsbeirat verteilen.

Keine Nicht-Wahl

Doch der Angermünder Bürgermeister wirbt trotzdem um Vorschläge: „Mir liegt es am Herzen, dass es nicht zu einer Nicht-Wahl kommt.“ Und er garantiert jede Unterstützung aus dem Rathaus. Am Ende sei es auch ein Stück Verantwortung, was Ortsvorsteher und seine Mitstreiter übernehmen. Für ihn seien sie die wichtigen Ansprechpartner.
„Ein Ortsbeirat ist wichtig“, bestätigt Einwohner Thomas Lindenberg. „Wir können nicht alles von Angermünde bestimmen lassen.“ Er hat den Job in früheren Jahren schon mal gemacht, kann sich aber aus familiären Gründen jetzt nicht aufstellen lassen. Über die Rücktritte ist er ebenso verstimmt wie andere Leute im Publikum auch. „Ich bin mir sicher, dass sich neue Kandidaten finden“, sagt Lindenberg.

Werbung für Listenvorschläge

Das große Problem kleiner Gremien ist die Einzelkandidatur. Daher wirbt Frederik Bewer für Listenvorschläge, auf denen mehrere Bewerber stehen. Tritt dann einer nach der Wahl zurück, gibt es Nachrücker. Ähnlich wie in der Stadtverordnetenversammlung oder im Kreistag. Somit ginge nicht gleich der ganze Ortsbeirat baden.
Doch in kleinen Dörfern finden sich manchmal nur schwer Leute, die dieses nicht immer dankbare Ehrenamt übernehmen wollen. Angermünde hatte sich nun entschieden, allen Ortsbeiratsmitgliedern der 24 Ortsteile ein Sitzungsgeld von 18 Euro pro Person zu zahlen. Doch da kam gleich die Keule aus der Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung. Die Behörde, die sonst betont auf die kommunale Selbstverwaltung pocht und sich in Streitsachen heraushält, lässt das Sitzungsgeld nicht zu. Das sei rechtswidrig. Nur tatsächliche Aufwendungen oder Verdienstausfall könnten die Ehrenamtspolitiker geltend machen. Also musste Angermünde die Satzung ändern.
Die Schmiedeberger räumen nach gut 40 Minuten die Bänke wieder zusammen. Diskutiert wird nicht. Nun wird sich zeigen, ob Schmiedeberg weiter zwangsverwaltet wird oder einen neuen Ortsbeirat bekommt. Frederik Bewer bringt noch eine Überraschungsbotschaft mit: Im Dorfgemeinschaftshaus soll eine Zweigstelle des Polßener Dorfladens eröffnet werden. Das trifft auf Anerkennung.