Von einem guten Erzieher wird professionelle Feinfühligkeit verlangt. Zu Deutsch: Er muss ein Herz haben und trotzdem Abstand wahren. Er soll aber auch Impulse geben und die Fähigkeit zur Stressreduktion aufweisen. Was sich wie aus dem Fachbuch liest, dass will Martin Bauer tatsächlich einmal können. Er will Erzieher werden.

Der Klub ist Praktikumsbetrieb

Martin Bauer ist 19 Jahre alt und hat gerade im Schwedter Karthausklub seine erste Prüfung absolviert. Der Klub ist seit Anfang September sein Praktikumsbetrieb.
Martin Bauer ist in Gartz groß geworden. Am Oberstufenzentrum Eberswalde erlernt er den Beruf des Erziehers und hat noch anderthalb Jahre vor sich. „Ich will mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ich möchte sie auf ihrem Weg ins Leben begleiten und unterstützen“, begründet er seine Berufswahl, die ihren Anfang nahm als Sozialassistent. Zuerst hat er gedacht, er würde am liebsten in den Kita-Bereich gehen. Dort sind männliche Erzieher noch immer eine Ausnahme. Männer werden aber gerne in Kindergärten gesehen, weil sie in typischen Frauenkollektiven einen anderen Trend setzen.

Tolle Erfahrungen gemacht

„Doch hätte ich mich auf den Kita-Bereich versteift, dann hätte ich nie so tolle Erfahrungen machen können wie im Karthaus“, ist Martin Bauer überzeugt. „Ich habe mir bewusst diesen Klub als Praktikumsstelle ausgesucht und eigentlich gedacht, dass es in einem Jugendklub drunter und drüber gehen würde. Das ist nicht der Fall - zum Glück.“ Mandy Meier ist seine Praxisanleiterin im Klub und sagt: „Das kann man so stehen lassen. Das unterstütze ich.“

Auf der Suche nach dem Werwolf

Doch zurück zur Prüfung: Seine Aufgabe lautete, ein Freizeitangebot für Jugendliche zu planen und durchzuführen. Es ging nicht darum, Wissen abzufragen. Martin sollte zeigen, dass er für den Beruf geeignet ist. Er hat sich für eine Art Kartenspiel entschieden mit dem Titel „Die Werwölfe vom Düsterwald“. Es ist ein Kommunikationsspiel, das den Zusammenhalt der Jugendlichen fördern soll. Die Gruppe muss durch Fragestellungen und Beobachtungen herausfinden, wer unter ihnen der Werwolf ist.

Alle mussten bei der Stange bleiben

Neun Teilnehmer zwischen zwölf und 15 Jahren haben im Schneidersitz zusammengesessen, gleich daneben der Lehrer und Prüfer. Martin erinnert sich: „Ich war der Anleiter des Spiels, der Geschichtenerzähler. Ich habe das Spiel angetrieben und darauf geachtet, dass es nicht ins Stocken gerät. Alle mussten bei der Stange bleiben.“ Die Jugendlichen wussten, dass es eine Prüfung war und haben sich auf das Spiel eingelassen. Ihre Teilnahme war freiwillig, sie hätten auch auf den Hof gehen können.

Nach 45 Minuten ein gutes Gefühl

Martins Prüfung hat 45 Minuten gedauert. „Gleich danach hatte ich ein gutes Gefühl. Ich weiß ja, was ich gemacht habe“, sagt er selbstbewusst. „Ich bin schon nicht nervös reingegangen. Wenn ich noch ruhiger gewesen wäre, dann wäre ich eingeschlafen.“ Die Auswertung der Prüfung seien freundliche Verbesserungsvorschläge gewesen.
Praxisbetreuerin Meier ist wie ihr Schützling froh über die Note zwei. „Es war meine erste Prüfung dieser Art. Und dass ich so gut bestanden habe, spricht sich herum und sorgt für guten Ruf des Klubs“, ist Martin überzeugt. Seine Praxisbetreuerin sagt: „Martin hat sich von Anfang an unter die Jugendlichen gemischt und schnell den Kontakt hergestellt. Sie haben ihn durch seine respektvolle Art gleich angenommen. Außerdem zeigt er auch immer eigene Ideen.“

Gute Erzieher sind begehrt

Die Mitarbeiter im Karthausklub wissen, wie schwer es ist, heutzutage gute Erzieher für den Jugendbereich zu finden. Denn das Thema Fachkräftesicherung macht auch um Zentren für die Jugendarbeit keinen Bogen. „Martin wäre schon eine gute Partie und könnte uns nach seinem Abschluss unterstützen. Er deckt einen Bereich ab, der uns für die Jugendlichen wichtig ist, nämlich Mediengestaltung und Technik“, erläutert Mandy Meier. Bei Bewegungsspielen am Computer sei ganz Martin obenauf. Gerade diese Spiele erforderten vollen Körpereinsatz, gute Hand-Augen-Koordination und logisches Denken. Hier sei Martin ein guter Ratgeber für Jugendliche.

Die Ausbildung geht weiter

Doch erst einmal muss er seine Ausbildung zu Ende bringen. Nach den Herbstferien lernt er wieder am Oberstufenzentrum. Drei Praktika stehen ihm noch bevor. Das nächste muss er in einer Wohngruppe oder Tagesbetreuung absolvieren mit Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen.