Sinnvolle Kreisläufe
Richard Hurding kam mit Partnern und Kunden auf die Idee, aus Resten der Landwirtschaft wie Rapsstroh, Heu oder sogar Rohrkolben Verpackungen zu entwickeln. Auch anderenorts wird daran geforscht. Zelfo tut das seit 2011, Rückschläge eingeschlossen. Das Material stammt aus der Natur und kann bedenkenlos wieder in die Natur zurückgehen. Ein Fall von Recycling.
Das Forschungslabor an der Kuhheide scheint wie eine Hexenküche. In einer Halle lagern die Ausgangsstoffe. Abfallprodukte der Hanffabrik Prenzlau sind ebenso dabei wie Bambusschnitzel. Sogar mit Lumpen aus Baumwolle wird experimentiert. "Wir können fast alle Naturfasern verwenden", sagt Hurding.
Für die Weinindustrie hat Zelfo Verpackungen entwickelt, in denen die Flaschen beim Transport nicht mehr klappern. Ausgangsstoff sind Sprossen, die beim Weinschnitt massenhaft anfallen. Ähnliche Versuchsergebnisse kann sich Hurding mit Tomatenstengeln riesiger Gärtnereien vorstellen. "Weltweit werfen Tomatenbauern Tausende von Tonnen im Jahr weg. Das ist ein Potenzial, das gehoben werden muss." Die ersten Tests laufen. Es entstehen kleine Schalen, in denen wieder reife Tomaten angeboten werden. Schöner Kreislauf. Ein weiteres Beispiel der Materialforschung bei Zelfo ist Seggenheu aus dem Nationalpark Unteres Odertal. Es fällt viel an, ist aber als Futter und Streu wertlos.
Zelfos Partner beim Umsetzen der Ideen ist die Nachbar-Firma Bio-Lutions. Beide Firmen agieren auf dem Gelände der einstigen Hartmann GmbH für Eierverpackungen. Während Zelfo die Rohstoffbearbeitung macht und zum Ausgangsmaterial forscht, stellt Bio-Lutions die Testprodukte her: Zelfo forscht, wie Naturfasern aufgespleißt werden können, um neue Faserverbindungen zu schaffen. Bio-Lutions macht Gefäße daraus. Manche Mitarbeiter haben schon bei Hartmann gearbeitet und langjährige Erfahrungen im Faserguss. Es ist ein bisschen wie Papiermachen.
"Wir arbeiten mit Maschinenbauern zusammen, die nach unseren Spezifikationen Maschinen bauen zum Bearbeiten von Fasern", erläutert Hurding. Andere Maschinen wiederum müssen in ein paar Schritten Rohstoffe zerkleinern, Fremdkörper herausfiltern und Materialien mischen. Das Besondere: Die Fasern werden so umstrukturiert, dass sie schließlich selbstbindend werden. Und ein bisschen Betriebsgeheimnis ist auch dabei.
Richard Hurding ist sicher: "Der Antrieb, Kunststoffe loszuwerden ist aktuell so groß, dass unsere Ideen Wirklichkeit werden müssen." Kompostierbare Blumentöpfe und Behälter für geschnittenes Obst aus Apfelsinenresten sind aus seiner Sicht längst keine Phantasie mehr, sondern werden von den Kunden gewünscht. "Unsere Obstschalen sind noch nicht im Handel zu sehen. Aber Bio-Lutions könnte sie schon 2021 produzieren", sagt Hurding.
Beide Firmen wollen Alternativen zur Plastikvermeidung schaffen. Sie erschließen Naturfasern, um Abfallströme einer Nutzung zuzuführen und Energie zu sparen. Das klingt so vernünftig, dass man sich fragt, warum es nicht längst Alltag ist.