Der Tod des 59-jährigen Schwedters schockiert bis heute die Stadt Schwedt. Weil der Anlagenfahrer vom PCK auf seiner Fahrt zur Frühschicht von nach wie vor Unbekannten attackiert, vom Rad gezerrt und zum Sturz gebracht wurde, ist er tot. Für viele Schwedter ist das völlig unfassbar. Sie reagieren ungläubig darauf, dass so etwas in Schwedt passieren kann.
Inzwischen ist bekannt, dass die Polizei nach vier bis fünf Tätern sucht, die von Zeugen als Jugendliche oder Heranwachsende beschrieben werden. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, überprüfen die Ermittler auch Hinweise auf eine gezielte Aktion. Offenbar haben die Täter ihrem Opfer in Kenntnis der Fahrtroute auf dem unbeleuchteten Abschnitt des Radweges durch den Park, zwischen dem ehemaligen Schloss Monplaisir und der Breiten Allee, vor Schichtbeginn aufgelauert. Als die Täter eines ihrer Opfer vom Rad geholt hatten, soll der Satz gefallen sein: "Das ist nicht der Richtige." Danach sollen sie vom ersten Überfallopfer abgelassen und sich dem zweiten zugewandt haben. Ob der später verstorbene, der andere Radfahrer oder womöglich ein Dritter gemeint war, ist unklar. Der zweite Radfahrer, ein Jahr älter als sein verstorbener Kollege, zog sich bei dem Überfall sichtbare Verletzungen zu. Das 59-jährige Todesopfer hatte nach Aussagen der Staatsanwaltschaft dagegen keine äußerlichen Anzeichen auf lebensgefährliche Verletzungen. Als er ins Klinikum eingeliefert wurde, stellten die Ärzte eine Gehirnblutung fest. Bis zur genauen Ermittlung der Todesursache durch die Gerichtsmedizin, die am Mittwoch auf Anordnung der Staatsanwaltschaft stattfand, wäre es spekulativ zu behaupten, der Überfall sei Auslöser der inneren Verletzung. Es soll auch Hinweise auf eine Vorerkrankung des Opfers geben.
Die Ergebnisse der Sektion wollte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen.
Viele MOZ-Leser drückten spontan ihr Beileid und ihre Anteilnahme mit den Hinterbliebenden des Opfers aus. Im Werk gab es eine Gedenkzusammenkunft der Kollegen des Opfers und der Geschäftsführung.
Viele Schwedter reagierten aber auch unsicher und erbost angesichts verwirrender Polizeimeldungen über den Zustand des Opfers. Inzwischen hat die Polizei eine Falschmeldung korrigiert und Fehler bei der Weitergabe von Informationen eingeräumt.
Zunächst hatte die Polizei am Wochenende informiert, dass das Opfer des Überfalls hirntot sei und ein Rechtsmediziner festgestellt habe, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Hirntod und den Verletzungen durch den Überfall gibt. Am Montag meldete die Polizei dann, das Opfer sei tot. Eine Stunde später korrigierte der Pressesprecher die Nachricht wieder und erklärte, der 59-jährige sei weder tot noch hirntot. Er beschrieb dessen Gesundheitszustand nun als "äußerst kritisch". Am Dienstag dann erklärte das Schwedter Klinikum offiziell, dass der Schwedter am Montag gestorben sei.
Wie es zu der unverständlichen Abfolge von Meldungen kam, ist bisher ungeklärt. Ein Sprecher der Polizei nahm zumindest die ermittelnden Kripo-Beamten in Schwedt in Schutz. Sie hätten die vorgesetzten Dienststellen richtig informiert. Fehler oder Verwechslungen wären bei Weiterleitung der Information innerhalb der Polizei entstanden.
Hintergrund könnte komplizierte Rechtslage in solchen Fällen sein. Auch wenn die Ärzte bereits am Wochenende den Verdacht des Hirntodes hatten und das Opfer durch Maschinen künstlich am Leben gehalten wurde, kann dieser Zustand erst offiziell erklärt werden, wenn er von mindestens zwei Ärzten geprüft und bestätigt worden ist. Das war erst am Montag der Fall, wie die MOZ am Mittwoch meldete. Alle Polizeimeldungen, die vorher über den Tod oder Hirntod des Opfers informierten, waren nicht korrekt.