Frank Wiemeyer hat das Gebäude schon immer geliebt. Aber ein paar Manschetten hat er doch gehabt, es zu erwerben. Als er vor anderthalb Jahren mit Freunden dorthin fuhr, schaute einer von ihnen die zehn Stockwerke hoch und sagte: "Nur die Augen haben Angst." Da waren die Würfel gefallen.
Frank Wiemeyer und Manuela Busch kauften den Speicher, von dem sich bald herausstellte, dass er unter Denkmalschutz steht. Nein, sie sind keine verrückten Spinner. Sie haben Respekt vor der Aufgabe und bringen die Leidenschaft für ein altes Gebäude mit. Ihr Hauptgedanke ist es: Der Speicher soll seine Seele behalten. "Wenn wir aber nicht von Anfang an dieses Team von guten Freunden gehabt hätten, dann hätten wir es nicht gewagt."
Dieses Wagen begann mit ganz einfachen Schritten: Müll rausräumen und Ansprechpartner suchen. Diese Partner fanden sie in Gramzow, beim benachbarten Eisenbahnmuseum, bei der Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für ländliche Entwicklung.
Wiemeyer und seine Freunde wollen den Speicher als Industriedenkmal erhalten, ohne ihn zu modernisieren. Zum Beispiel funktioniert jetzt wieder die originale Lichtinstallation von 1957. Das war aufwändig, sie hätten es einfacher haben können, wollten es aber nicht. Inzwischen arbeitet auch der Trogkettenförderer wieder. Er war durch Vandalismus zerstört worden. Frank Wiemeyer kann ihn jetzt für Demonstrationszwecke in Gang setzen.
Der Speicher hat ein Alleinstellungsmerkmal. Klar und schnörkellos steht er da. Zweckmäßig. Er wurde 1957 fertiggestellt, ist 33 Meter hoch und hat zehn Stockwerke. Das Treppenhaus ist begehbar. Aus den wieder funktionierenden Fenstern hat man einen Blick über die Hügel der Uckermark. Von dort kam einst das Getreide aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Der Speicher fasst 5000 Tonnen. Das Getreide wurde hier gelagert, gereinigt und getrocknet. Dann ging es raus zu den Mühlen. Frank Wiemeyer und Manuela Busch setzen sich nicht unter Druck mit dem Speicher. Sie müssen nicht schnell fertig werden. "Wir sehen die Arbeit als Weg. Der Speicher wird ein Industriemuseum, in dem Ausstellungen stattfinden sollen mit dem Schwerpunkt Fotografie und Sprache", blickt Manuela Busch voraus.
Die beiden Schwedter sind von Beruf Papiermacher, haben sich weiter qualifiziert und sind jetzt in anderen Berufen tätig. Eine künstlerische Ader verbindet sie. Jetzt konzentrieren sie alle ihre Kompetenzen auf den Speicher. Sie sind jedes Wochenende da. Auch die acht Freunde, die aus verschiedenen Berufen kommen und ihre Fähigkeiten mit einbringen. Professionelle Firmen sind ebenfalls beteiligt. Inzwischen sind die Dach- und Betonsanierung abgehakt. Ein zweiter Bauabschnitt beginnt im März. Über Winter gehen die Arbeiten drinnen weiter. Das Speicherteam freut sich über jedes eingesetzte Fenster und jede Lampe, die blinkt.
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