Dutzende Einsatzwagen der Feuerwehr säumten das Ufer, als am Sonnabend von der Öffentlichkeit abgeschirmt ein sogenanntes Elemente-Training mit nagelneuer Technik startete. Erstmals sollen Feuerwehrleute auf beiden Seiten des Grenzflusses gemeinsam die Bekämpfung einer großflächigen Ölverschmutzung auf der Oder trainieren. Dafür wurde mit EU-Fördermitteln ein ganzes Arsenal an Spezialtechnik angeschafft. Neue Mehrzweckboote, Ölsperren, Abrolltransporter, Rüstwagen, Öl-Separatoren Zelte, Pontons. Zwei Millionen Euro kostet alles zusammen.
240096
In Höhe des Niedersaatener Wehres sollten die 125 Feuerwehrleute aus Angermünde, Schwedt, Gartz und Pinnow eine Ölsperre aufbauen, genauer gesagt mehrere einzelne Sperren, die wie Fischgräten angeordnet hintereinander das Öl auffangen. Auf polnischer Seite waren ebenfalls an die 80 Einsatzkräfte dabei, Uferschutz, Stege und Sperren aufzubauen. In vier Stunden sollte die Abwehr stehen, Schläuche ausgebracht und verankert, die Technik aufgebaut und einsatzfähig sein. Etwa so viel Zeit hätten die Katastrophenschützer auch im Ernstfall. Der Einsatzort ist vom Durchlass der Erdölleitung unter der Oder so weit entfernt, dass es vier Stunden dauern würde, bis das ausgetretene Öl mit der Strömung dort eintrifft.
Unter erschwerten Anfahrtsbedingungen wegen der gesperrten B 166 zum Grenzübergang transportierten die Einsatzkräfte die Technik an die Oder, bugsierten die Ölsperren ins Wasser, positionierten sie mit Booten und Leinen. Die genaue Position der Sperren und ihrer Ankerpunkte soll mit Hilfe von GPS erfolgen. Was einfach klingt, erwies sich bei den schwierigen Strömungsverhältnissen der Oder als höchst kompliziert. Teilweise mussten Ankerpunkte korrigiert und der geplante Standort der Sperre wegen Hindernissen verschoben werden.
Einsatzleitung und Uckermark-Landrat Dietmar Schulze sprachen im Anschluss jedoch von einem erfolgreichen Training. Das komplette Schutzsystem soll übrigens erst in einer Großübung 2014 zum Einsatz kommen. Derzeit fehlen noch einige Ausrüstungsteile wie ein größerer Ponton als Brückenkopf der Ölsperre in der Mitte des Stroms.
Im Anschluss an das Training setzten die deutschen Einsatzkräfte ans polnische Ufer über, wo ihre Kollegen die Verpflegung mit Erbseneintopf und Wurstgulasch vorbereitet hatten. Die Zusammenkunft so vieler Einsatzkräfte nutzte die Feuerwehr Gryfino für drei Auszeichnungen. Wolfgang Grösch, Thomas Dröse und Alexander Trenn wurden für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Feuerwehren geehrt.
Beobachtet wurde das Training auch von Vertretern der Landesfeuerwehrschule. Die Art der Gefahrenabwehr auf der Oder, die am Sonnabend erstmals trainiert wurde, gilt auch in Brandenburg als einmalig.
Sperrschlauch über der Oder: Feuerwehrleute ziehen mit Booten dicke Schläuche in den Strom, die im Ernstfall Ölverschmutzungen aufhalten sollen. Die Spezialtechnik kam erstmals bei einem gemeinsamen Training mit polnischen Feuerwehrleuten zum Einsatz. Mehr als 200 Helfer waren am Training beteiligt. Fotos (3): MOZ/Oliver Voigt
Aufgerollte Ölsperre: Die Technik zur Gefahrenabwehr ist nagelneu. Mehr als zwei Millionen Euro kostet die komplette Ausstattung.
Krafteinsatz: Mit Seilen ziehen die freiwilligen Einsatzkräfte die Ölsperren in die richtige Position und verankern sie am Ufer.
Deutsche und polnische Feuerwehrleute trainieren mit neuer Spezialtechnik Gefahrenabwehr
Ausrüstung noch unvollständig / Erste Großübung für 2014 geplant