"Wir wollen Spaß haben!" - Karin und Ulf Schulz lieben ebenso wie Doreen und Ingbert Lentz den Dreivierteltakt des Walzers und die gepflegte Atmosphäre des Bühnenballs. Die Damen haben sich ihre bodenlangen Ballkleider eigens für diesen Abend zugelegt. Sie wollen ihre unterdessen dritte Ballnacht in Schwedt erleben. Das Quartett stürzt sich ins Vergnügen und taucht ein in die üppig und lustvoll dekorierten Bühnenballwelt. Erst das Erinnerungs-Foto im großen Goldrahmen und auf der VIP-Couch, dann ans Büfett und ab auf die Tanzfläche.
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Helga und Michael Wendt kommen aus Werneuchen (Barnim). Jahrelang haben sie auf Bällen in Berlin getanzt. Bis sie in der Zeitung vom Bühnenball in Schwedt erfahren haben. "Das hier ist eine Augenweide, die Saaldekoration, das inspirierende Büfett, der gepflegte Service, die Schauspieler in ihren wunderbaren Kostümen und die vielen schick angezogenen Damen und Herren. Wir lieben es", schwärmt Helga Wendt. "Und wir staunen immer wieder über das Programm, das das Haus hier bietet."
Das Theater hat aufgefahren, was Kisten und Keller, Fundus und Ensemble zu bieten haben, versicherte Intendant Reinhard Simon zur Eröffnung, und preist die Leistung seiner Mannschaft vor und hinter den Kulissen. Er ist sichtbar entspannter als an vorherigen Tagen. Sicher auch, weil die Bühnen es geschafft haben, finanziell wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Später tanzt er mit Ehefrau Maren Rögner (im schwarzen Hosenanzug) formvollendet beim Eröffnungswalzer des Ensembles.
Torsten Wegner vom Vorstand der Stadtsparkasse, eines Mitbegründers des Balles, ist inzwischen mit seiner Frau Mirella (schick im schulterfreien Abendkleid und mit Schulter- Tattoo) Stammgast auf dem Ball. Er versichert den Gästen: "Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um ihnen einen unterhaltsamen Abend zu schenken." Er ist sich sicher, der Ball steigert die Lebensqualität in der Stadt.
Während bisherige Bühnenbälle das Publikum in romantische Städte wie Wien, Paris, Venedig und nach Spanien entführten, darf es diesmal tief in die Theaterwelt eintauchen. Mitveranstalter Lars Boehme von den Uckermärkischen Verkehrsbetrieben lobt den gelungen "Blick auf und hinter die Kulissen", ehe er mit seinen Vorrednern das vom Publikum mit Lobsternen gepriesene Büfett des Theaterball-Gastronomen Frank Schäpe eröffnet.
Danach spielt das Berlin Starlight Orchestra zum Tanz auf und sich eine ganze Nacht in die Herzen der Ballgäste. Die Schauspieler Larissa Kristina Puhlmann und Manuel Heuser sind zu vorgerückter Stunde im kleinen Saal der Hit. Vor allem als Double von Schlagerstar Helene Fischer und Volks-Rock'n-Roller Andreas Gabalier ziehen sie bewundernd-begierige Blicke vieler Frauen und Männer auf sich und versetzten das Publikum in hörbare Feierlaune.
Auch Mitglieder aller drei Schwedter Tanzvereine schweben in der langsam an Fahrt aufnehmenden Ballnacht übers Parkett.
Der Schwedter Polizeichef Gerhard Hildebrandt hat nicht nur seine Ehefrau Constanze, sondern noch etwa 60 Tanzfreunde vom TSC-Tanzsportverein mitgebracht, den er leitet. In einem Urlaub ärgert sich Hildebrandt vor Jahren, weil er nicht mittanzen kann, dass er sich danach sofort zu einem Tanzkurs anmeldet, um genussvoll im Dreivierteltakt übers Parkett gleiten zu können. "Ich finde das großartig", lobt ihn seine Frau, die im edlen dunklen Abendkleid zum Ball gekommen ist. "Ich wollte das schon immer mit ihm gemeinsam erleben. Männer, die tanzen, sind wie Männer, die Klavier spielen können. Sie haben Glück mit ihren Frauen."
Beeke und Henry Kießling empfinden das gemeinsame Tanzen als "pure Lust am Leben". Seit fünf Jahren perfektionieren sie ihre Tanzkunst im Tanzverein der Eisbären in Schwedt. Warum brauchen Frauen neue Kleider zum Ball? "Damit sie schön aussehen", antwortet Beeke Kießling. Ehemann Henry fügt hinzu: "Frauen ziehen sich nicht nur für ihre Männer so schick an, sondern um von anderen Frauen bemerkt zu werden." Eine Idee hätte seine Frau übrigens noch für den nächsten Ball: "Einen echten Tanzboden."
Jana und Frank Hampel haben Opernball-Erfahrung schon in Leipzig und Dresden gesammelt. "Hier in Schwedt ist das Ambiente wunderbar, das Büfett super und es ist intimer", befinden beide. Der Herr trägt Smoking, die Dame ein bordeauxrotes Ballkleid aus Tüll.
Ramona Grünke ist diesmal die Tanzfläche zu klein. Oder war die Tanzfreude der Ballgäste zu groß?
Gefeiert wird bis in den frühen Sonntagmorgen.
Für Antje Harang und Matthias Bach aus Passow, die in Schwedt beim Tanzforum regelmäßig tanzen, steht fest: "Wir sind das erste Mal beim Bühnenball, aber es war gewiss nicht das letzte Mal."
Tanz unterm Theaterhimmel: Im Walzer- und Foxtrottschritt tanzte Schwedt durch die 5. Bühnenballnacht. Bürgermeister Jürgen Polzehl mit Ehefrau Marika und Torsten Wegener von der Stadtsparkasse mit Ehefrau Mirella (vorn, v. l.).Fotos (4): MOZ/Oliver Voigt
Uckermärkische Bühnen rollen mit ihren Partnern roten Teppich für 200 Ballgäste aus