Die Wohnunterkunft für Asylbewerber in der Flemsdorfer Straße in Schwedt wird nicht wie befürchtet aufgelöst. Darauf haben sich die Stadt und der Landkreis jetzt geeinigt. Eigentlich sollten spätestens in diesen Tagen die mehr als 60 Bewohner ihre Wohnungen in dem Plattenbau verlassen, um der Abrissbirne freie Bahn zu machen. Man hatte vor, sie auf andere Heime zu verteilen. Dagegen liefen jedoch zahlreiche Flüchtlingshelfer und Betreuer regelrecht Sturm. Sie waren überrascht und verlangten, dass Schwedt seiner Verantwortung gerecht werde und weiterhin Menschen aus anderen Ländern aufnimmt. Es gab sogar einen runden Tisch.
Nun ist ein Kompromiss gefunden. Eigentlich wollte der Landkreis ein geeignetes Grundstück für den Neubau einer dauerhaften Gemeinschaftsunterkunft in Eigenregie erwerben. Doch entschied sich Landrätin Karina Dörk für eine schnellere Lösung: Der Block Nummer 21 bis 27 in der Flemsdorfer Straße bleibt stehen. Statt Abriss kauft ihn nun die Uckermärkische Entwicklungsgesellschaft (UEG) von der Wohnbauten GmbH ab und saniert die Aufgänge Stück für Stück.

Bewohner können bleiben

Alle Beteiligten haben grünes Licht gegeben. „Eine Win-Win-Situation“, freut sich Bürgermeister Jürgen Polzehl. „Die Menschen können an angestammtem Platz bleiben.“ Er räumt allerdings ein Kommunikationsdefizit ein, wodurch die Aufregung um die Räumung erst entstanden sei. Man habe eine angestrebte Verbesserung der Wohnsituation für die Betroffenen coronabedingt nicht in der entsprechenden Zeit geschafft. Schwedt stehe aber grundsätzlich weiterhin zu seiner Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Erfahrungen damit reichen nun bereits fünf Jahre zurück.
Die Stadt verpflichtet sich, dauerhaft über ihre Wohnungsgesellschaft Wohnungen für die Menschen zur Verfügung zu stellen, die einen Aufenthaltstitel bekommen und eine Bleibeperspektive haben. Man hofft vor allem auf Familien, die sich besser integrieren als Alleinreisende. Allerdings gibt es nach Angaben von Jürgen Polzehl derzeit kaum noch Leerstand. Der Landkreis bringt den Plattenbau auf Vordermann und schafft eine akzeptable Dauerunterkunft für Neuankömmlinge.

Einbau eines Internats

Der Block soll so umgebaut werden, dass man ihn gleich mehrfunktional nutzen kann und er auch bei sinkenden Zuweisungen weiter nutzbar ist. So schafft die UEG in einem Trakt moderne und bis jetzt fehlende Internatszimmer für Auszubildende. Ein Fahrstuhl erleichtert den Zugang für behinderte Menschen. Ein gesonderter Bereich ist für Familien vorgesehen, ein anderer für Alleinreisende. Im Erdgeschoss soll es Beratungs- und Begegnungsräume geben für den Migrationsfachdienst.
Momentan gibt es im Landkreis mehr als 300 freie Plätze in Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber. Dennoch hält man auch künftig am Standort in Schwedt fest, um die zugewiesenen Menschen aus anderen Ländern gleichmäßig in der Uckermark verteilt unterzubringen. „Wir werden keine Gemeinschaftsunterkunft aus dem Netz nehmen“, so Kreissozialdezernent Henryk Wichmann. „Denn wir wissen nicht, ob es eine weitere Flüchtlingswelle gibt.“ Gemeinschaftseinrichtungen existieren in Schwedt, Angermünde, Templin, Prenzlau und Lychen.

Mehr Platz wegen Corona

Auch die Containerbauten am größten Heim in Prenzlau bleiben vorerst bis 2025 erhalten. Die freien Räume in allen Einrichtungen würden sich derzeit gut eignen, um auf die Corona-Bedingungen besser reagieren zu können, so Wichmann.