"Wir haben das Kunstwerk begleitet, von seinem Entwurf bis zu seinem Einbau", erinnert sich Sigrid Behrens. "Wir Apothekenleute durften damals den Entwurf von Gerhard Goßmann ansehen und mitreden. Wir sind durch seinen Garten in Fürstenwalde gegangen und haben ihm erklärt, dass uns der Entwurf zu ernst erscheint. Er war zu wenig auf Apotheke bezogen, und wir wollten außerdem etwas Heiteres zum Ansehen für die Leute."
Im Februar 1970 ist das Gebäude als Zentralapotheke eröffnet worden. Als das Wandbild dann im Kundenraum eingemauert war, waren alle zufrieden. "Goßmann hat auf unsere Hinweise reagiert, und ich finde das Bild nach wie vor wunderbar. Da klingt ein bisschen Witz über die Arzneimittelherstellung an und den Gebrauch von Arzneipflanzen", sagt Sigrid Behrens. Sie war zu DDR-Zeiten für die Qualitätssicherung von Arzneimitteln zuständig.
In diesen Tagen sitzt sie auf gepackten Koffern und konnte der MOZ gerade noch ihre Geschichte erzählen. Nächste Woche zieht sie nach Bernau. Sie findet es gut, dass die Stadt Schwedt trotz der Abrissarbeiten das Wandbild erhalten will. "Dieses Bild ist etwas wert. Außerdem hat es für mich eine riesige emotionale Bedeutung", sagt sie.
Das Apothekenehepaar Behrens hat den Aufbau der Stadt Schwedt miterlebt und mitgestaltet. Hier wurde nicht nur Medizin ausgegeben, sondern auch Arzneimittel für elf Apotheken produziert. Karl-Heinrich Behrens (inzwischen verstorben) hat in Greifswald Pharmazie studiert, die Zentralapotheeke geleitet, ist aus dem Gebäude ausgezogen und hat auf der gegenüberliegenden Straßenseite nach der Wende eine neue Zentralapotheke gebaut. "Der damalige Geschäftsführer des Klinikums Ralf Lupp wollte uns das Wandbild für die neue Apotheke schenken. Aber das ging nicht, weil man das Bild nicht von der Wand abbekam. Es war ja richtig einzementiert", erinnert sich Sigrid Behrens. Sie staunt, dass das jetzt möglich sein soll und hofft dass die Spezialfirma es schafft, alle Fliesen, aus denen das Bild zusammengesetzt ist, zu retten.

Der Kunsterzieher Goßmann

Der Schwedter Gerd Lehmann hat am Freitag in der Redaktion angerufen und erklärt: "Ich bekenne mich zu diesem Wandbild. Ich unterstütze seine Rettung und werde meine Unterschrift auf die Liste für das Bürgerbudget setzen." Gerd Lehmann hat zum Künstler Gerhard Goßmann eine ganz besondere Beziehung: "Ich habe von 1951 bis 1954 in Fürstenwalde die Schule besucht. Dort hat Goßmann gelebt und er war mein Kunstlehrer bis zum Abitur. Er war oft sehr großzügig im Benoten."
Liane Morgner aus Schwedt hatte die Idee mit dem Bürgerbudget. Aus dessen Topf soll Geld für den Wiedereinbau des Wandbildes fließen, meint sie und hat als öffentlich zugänglichen Ort das Ärztehaus am Brechtplatz vorgeschlagen: "Mich haben viele Vereine angerufen, die diesen Vorschlag unterstützten."