Wie ein Mahnmal liegen völlig vermoderte Balkenreste in der Kapelle der Greiffenberger Kirche. Sie zeigen Besuchern das dramatische Ausmaß von Schäden am Turm des Gotteshauses. Ein Wunder, dass die einst hoch aufragende und Wind und Wetter ausgesetzte Konstruktion überhaupt noch gestanden hat. Wegen akuter Einsturzgefahr ließ die evangelische Kirchengemeinde im Herbst 2019 fast den kompletten Turm herunternehmen und zersägen.
Nachdem sich der Schock gelegt hat, folgt nun der Wiederaufbau. Wer nach Greiffenberg fährt, sieht momentan eine Rüstung an der Stelle, wo normalerweise das Zifferblatt der Turmuhr die Stunde anzeigt. Daneben ein Kran. Gleich darunter geben Sägen den Ton an. Handwerker zimmern neue Balken, Stützen, Bohlen und Treppen. Es ist ein Neubau nach altem Muster. Viel von der alten Originalsubstanz war nicht zu retten. „Ein ungewöhnlich großer Schadenumfang“, sagt Jens Radtke, Baubeauftragter des evangelischen Kirchenkreises Uckermark.

Balken verrotteten hinter der Fassade

Möglicherweise hat ein alter Blitzeinschlag die Ursache geliefert. In späteren Jahrzehnten ist der Turm zwar immer wieder ausgebessert worden, jedoch nicht fachmännisch. Hinter der Fassade verrotteten die Balken fröhlich weiter. Selbst über der Orgel hat man einst einfach eine Stütze herausgenommen in der Hoffnung, dass es hält.
Jetzt überwachen Statiker den teuren Wiederaufbau. Wenn die Rüstung fällt, soll der Turm das alte Aussehen zurückerhalten haben. Sogar die Wetterfahne von 1964 bleibt nicht, sondern bekommt die noch auf alten Ansichtskarten erkennbare Ursprungsform in einer neuen Fassung.

Schäden am Dachstuhl

Und dann sind da noch die Schäden am Dachstuhl des Kirchenschiffes. Auch hier muss eine Komplettsanierung das Gebäude dauerhaft retten. Eine Mammutaufgabe, die auf die Kirchenkasse drückt. Die Finanzierung des Turms ist sicher. Hier hilft der Staatskirchenvertrag, hier unterstützen Landeskirche, Landkreis, Kirchenkreis und Kirchgemeinde. Insgesamt ist die Rede von einer Million Euro. „Die Gemeinde verabschiedet sich daher schweren Herzens vom Pfarrhof, um die Kirche zu retten“, berichtet Uwe Thürnagel vom Gemeindekirchenrat. Der Erlös des Verkaufs soll in die Sanierung fließen.
Mitgemacht werden müssen auch die Uhr, das Zifferblatt, die Bekrönung und die Läutetechnik. Wenn der Zeitplan zu halten ist und Ende des Jahres die Handwerker den neu aufgebauten Turm abrüsten, will Uwe Thürnagel spätestens zu Heiligabend die Glocken wieder läuten lassen.