Diesmal ist es die Geschichte des Sixto Rodriguez, des US-amerikanischen Songwriters, die Rühmann und Band auf die Bühne bringen. Der in Detroit geborene Sänger "mit einer Stimme wie Bob Dylan" veröffentlichte Anfang der siebziger Jahre zwei Platten, die jedoch im politisch erzkonservativen Amerika von der Musikindustrie ignoriert wurden.
Irgendwann rankten sich wilde Gerüchte um sein Ableben. In Südafrika hingegen wird er bekannter als Elvis und zum Idol des Kampfes gegen die Apartheid, "weil jede Revolution ihre Hymne braucht". Da die Plattenfirma dem Erfolglosen gekündigt hatte, erfährt er weder von Ruhm noch Tantiemen der über 500 000 verkauften Platten.
Thomas Rühmann, Monika Herold und Jürgen Ehle zeichnen den Lebensweg des verkannten Genies nach. Seine Kompositionen wurden mit Texten deutscher Liedermacher versehen. Nur "Sugar Man" verbleibt im Original. Die leisen und lauten Töne von Biermanns "Melancholie im Herzen" vor der Pause gesungen, berühren nicht nur dieses, sondern gehen durch Mark und Bein. Wie jedes Märchen braucht auch dieses sein Happy End, fortgesetzt nach der Pause.
Zwei südafrikanische Fans recherchierten die Geschichte eines Totgeglaubten und fanden einen Lebenden, in Detroit, in seinem alten Beruf als Abrissarbeiter. Sie bringen ihn dorthin, wo man ihn frenetisch feiert. Noch weitere fünf Mal kehrt der stille Star für 30 Konzerte nach Südafrika zurück. Der Mann mit den Prinzipien, der Philosophie studierte, lebt heute wieder bescheiden mit seiner Familie in Detroit, im Haus, das er seit vierzig Jahren bewohnt.
Rühmann hatte die oscarprämierte Verfilmung der Suche gesehen und wusste, "das ist ein musikalischer Stoff mit Suchtpotential". An der wahren Geschichte hat Rühmann nur eine Berliner Episode hinzu geflunkert.
Petra Krämer aus Schwedt war begeistert. "Ich hatte Gänsehaut", sagt sie und hätte sich wie viele andere Besucher, mehr von der glockenklaren Stimme der zierlichen Monika Herold gewünscht, die die kleinen und großen Bässe spielte.