"Wir haben nicht sofort den Wirtschaftsfaktor Nationalpark-Tourismus gesehen und waren zögerlich", sagt Annekathrin Hoppe. Die Beigeordnete der Stadt Schwedt vertrat bei der Festveranstaltung in Schloss Criewen die Stadt. Nachdem das Nationalparkgesetz verabschiedet war, merkte sie rasch, dass sich das Reservat als Prädikat erwies. "Auf der Suche nach Investoren sind wir häufig auf den Nationalpark angesprochen worden – und zwar durchaus positiv", sagte die damalige Wirtschaftsförderin. Entsprechend gab es in der Stadt schnell ein Umdenken, der Nationalpark wurde schnell zum Pfund, mit dem sich wuchern ließ.
Ein weiterer Gast und Zeitzeuge plauderte aus dem Nähkästchen: Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) war Mitte der 1990er-Jahre Aufbauleiter des Nationalparks. Aufgrund des heftigen Gegenwinds musste er diesen Posten als stellvertretender Direktor des Landesamtes für Großschutzgebiete übernehmen. Denn nicht nur die Stadt Schwedt erwies sich als schwieriger Partner, auch Fischer, Jäger, Angler und Landwirte schwante nichts Gutes. Dennoch war die Gründung der Beginn einer Erfolgsgeschichte, wie es Professor Michael Succow formulierte. Der Träger des alternativen Nobelpreises gilt als Gründervater des Nationalparkprogramms in der DDR, aus dem denn auch die Idee geboren wurde, den Nationalpark Unteres Odertal zu gründen.
Die Fläche des Nationalparks Unteres Odertal wurde im Sommer 1990 mit 25 anderen Schutzgebieten in der ehemaligen DDR einstweilig gesichert. Am 12. September 1990 beschloss der DDR-Ministerrat das Nationalparkprogramm mit den ersten 14 Großschutzgebieten, zu denen in Brandenburg zunächst die Biosphärenreservate Spreewald und Schorfheide-Chorin sowie der der Naturpark Märkische Schweiz gehörten.
Succow holte Töpfer her
Um das Projekt Nationalpark Unteres Odertal umzusetzen, holte Succow schon Anfang der 1990er-Jahre den damaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer an die Oder, wie er aus Erinnerungen in Schloss Criewen berichtete. Schon damals sei die Idee entstanden, gemeinsam mit den Polen etwas auf die Beine zu stellen. Das ist ein Projekt, an dem die Akteure noch heute arbeiten, den entscheidenden Schritt dafür aber noch nicht gemacht haben. Die größte aktuelle Baustelle sei noch das Flurbereinigungsverfahren, das schon rund 20 Jahr läuft und auch noch nicht so schnell wird beendet werden können, wie Umweltminister Axel Vogel auf Schloss Criewen jetzt bekannte.

Der Nationalpark Unteres Odertal


Der Nationalpark Unteres Odertal, der zwölfte von heute 16 deutschen Nationalparks, wurde am 29. Juni 1995 gegründet. Die größte Herausforderung bestand anfangs darin, einen nutzungsfreien Flächenanteil von 50 Prozent zu erreichen. Die mehr als 10 000 Flurstücke im Besitz von rund 2000 Privateigentümern wurden vor allem landwirtschaftlich und von Fischern genutzt. Arbeitsplätze sollten in der strukturschwachen Region allerdings nicht aufs Spiel gesetzt werden. Das Land startete deshalb im Jahr 2000 das größte je in Deutschland durchgeführte Unternehmensflurbereinigungsverfahren. 2006 folgte die Novellierung des Nationalparkgesetzes. pif