Augenfällig in der Werbeschlacht an den Laternenpfählen ist die schöne Heimatwerbung für die Uckermark. Als hätte jemand die Parole ausgegeben, dass schöne goldgelbe Rapslandschaft vor Himmelblau immer ziehe, haben sich gleich drei konkurrierende Parteien dieses Motiv für ihre Plakate ausgesucht. Der SPD-Feuerwehrfrau ist diese Uckermark natürlich eine Herzenssache. Die Liberalen definieren blau-gelb gleich schlechthin als die Farben für Schwedt und die Uckermark. "Wir tun was", verspricht ihr menschenleeres Rapsfeld. Die CDU-Kandidaten haben sich an gleicher Stelle vor dem Wahrzeichen von Schwedt zum Gruppenfoto getroffen. Das demonstriert Stärke. Aber in orange? Noch stärker hätte das FDP-Team vor dem originellen Motiv Wasserturm gewirkt: 42 Kandidaten für 32 SVV-Sitze!
Mit den Gesichtern ihrer Spitzenkandidaten gehen die Parteien kaum ins Rennen. Wie auch? EU-Wahl, Kreistagswahl, Wahl des Stadtparlaments - wer könnte da bei drei unterschiedlichen Kandidaten jeder Partei oder Liste den Überblick behalten! Allein Rentner Hans-Otto Gerlach wirbt mit seinem Antlitz für seine erneute Bewerbung um einen Kreistagssitz. Sein Parteifreund Chistian Ehler für unsere Stimme zur EU-Wahl und die Linke Madlen Bismar mit ihrem Lächeln für den Kreistag. Ihre Partei und die Bündnisgrünen haben sich ansonsten auf zentrale, überall gültige Wahlplakate zurückgezogen. Bildung und Öffentlicher Personennahverkehr sind ja überall wichtig - wenigstens mal eine inhaltliche Aussage.
Radikal linke Argumente und das Märchen vom Mut zur Wahrheit dazwischen von der MLPD beziehungsweise Alternative für Deutschland machen das Stadtbild immerhin noch ein wenig bunter.
Eine der Bürgerlisten, die in Schwedt antreten, bürstet mit ihren Wahlplakaten ganz bewusst gegen den Strich. Auf lebensbejahendem Schwarz zeigt ein Walross die Zähne. "Walrösser statt Rathäuser" lautet die Losung der Bunten Liste. Angeführt wird die von Nadine Heckendorn von der Initiative "Rettet das Waldbad". Wenigstens eine klare Aussage - wenn auch der Rathausanbau längst beschlossene Sache ist und Walroßrutschen erst einmal Bäder bräuchten... Freibäder.
Es hat schon schlimmere Plakate und Wahlschlachten gegeben. Bis auf solche Ausnahmen wie sie die Polizei heute meldet, scheint auch das Interesse verhasster politischer Lager nicht sonderlich ausgeprägt zu sein, dem Gegner die Plakate zu verunstalten oder herunter zu reißen. Selbst NPD- und Republikaner-Parolen, sonst von nächtlich aktiven Gymnasiasten regelmäßig entsorgt, hängen unbehelligt.