In den städtischen Kitas braut sich was zusammen. Nicht der Angriff der Wikinger ist gemeint, den die Kita „Kinderwelt“ am Montag beim Wikingerfest erlebte. Es geht um höhere Gebühren. Während einige Eltern bald gar nichts mehr zahlen müssen, sollen viele andere mehr bezahlen.
Die neue Kita-Satzung, die die Stadtverordneten am 20. Juni aller  Wahrscheinlichkeit beschließen werden, scheint genauso nicht in die Zeit zu passen wie die Helme, Schilde, Rüstungen und Schwerter der Wikinger, die beim gestrigen Fest „Stark wie die Wikinger“ in der kommunalen Kita „Kinderwelt“ das Bild bestimmten. Während es den Kindern aber sichtlich Spaß bereitete, mit Gebrüll und Mut auf ihre Gegner loszustürzen und die starken Männer vom Mittelalterverein „Schwarzwölfe“ zu besiegen,  dürfte bei den allermeisten Eltern der Kinder bald Frust aufkommen. Die Stadt plant, die Gebühren  für die Kinderbetreuung anzuheben.
Die Überarbeitung der Satzung angeregt hatte die Fraktion der Linken. Deren Ziel war, Familien mit  kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten, Eltern von Geschwisterkindern ebenso und Frühstück und Vesper für alle Kinder zu ermöglichen.
Die Linken hatten vorgeschlagen, die Einkommensgrenze anzuheben, ab der Eltern die vollen Kosten für den Kitaplatz bezahlen. Bisher gilt das ab einem Familieneinkommen von 43 100 Euro im Jahr. Wird das auf 50 000 Euro angehoben, wie die neue Satzung vorsieht, bezahlen weniger Eltern den Höchstsatz, dafür rutschen viele Eltern mehrere Stufen der gestaffelten Gebühren nach unten und zahlen folglich weniger. So die Theorie.
In der Praxis jedoch hat die Stadt auch die Kalkulation der Kitakosten erneuert. Das ist alle paar Jahre nötig, um Kostenentwicklungen zu berücksichtigen. Das Ergebnis ist, dass die Kosten deutlich gestiegen sind und die Gebühren nun für fast alle Eltern steigen, und zwar nach Angaben der Stadt durchschnittlich um fünf Prozent. „Diese Erhöhung wäre deutlich höher ausgefallen, wenn wir die Einkommensgrenze für die Höchstbeträge nicht verändert hätten, geschätzt 15 bis 20 Prozent“, erklärt der zuständige Fachbereichsleiter Henning Wiesner.
Im Beschluss ist deshalb die Rede davon, dass die Erhöhung der Gebühr noch moderat ausfällt. In einigen Fällen sollen Eltern sogar etwas weniger zahlen, genaue Angaben dazu legte die Stadt aber nicht vor. Fakt ist, dass die neuen Gebühren ab August eingeführt werden sollen, zum gleichen Zeitpunkt also, ab dem die Eltern von Vorschulkindern gar keine Gebühren mehr für die Kitabetreuung zahlen müssen, weil das Land die Beitragsfreiheit für das letzte Kita-Jahr beschlossen hat.
Neuregelungen für Geschwisterkinder oder Frühstück und Vesper enthält die Satzung nicht.