Das Stück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ hat am 18. September an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt Premiere. Mit Regisseurin Anke Salzmann proben die Schauspieler Ines Venus Heinrich und Michael Kuczynski dafür. Redakteurin Eva-Martina Weyer hat eine Probe besucht und erfuhr im Gespräch mit Anke Salzmann, warum Tanzen gut ist für menschliche Beziehungen.

Frau Salzmann, in dem Stück bekommt eine ältere Lady in ihrer Wohnung Unterricht in Tango und Walzer. Haben Sie selbst auch einmal Tanzstunden genommen?

Nein. Aber in meinem Schauspielstudium habe ich viel Ausbildung in Bewegung bekommen. Das habe ich genossen. Außerdem finde ich Tanzen wunderbar.

Die Schauspieler treiben die Handlung in dem Stück gerade durchs Tanzen voran. Also hat das Einstudieren von Tango, Swing und Co. jemand anderes gemacht?

Ja. Die Choreographie stammt von Irina Pauls, die ihre Tanzausbildung an der Palucca Schule Dresden erhielt. Das Einstudieren hat Thomas Maucher übernommen. Er ist Tanzpädagoge an der Schwedter Musik- und Kunstschule und unterrichtet hier viele Kinder und Jugendliche und für dieses Stück auch unsere Schauspieler.

In dem Stück knallen die Meinungen aufeinander. Man muss schmunzeln, wenn man hört, die alte Dame würde von früh bis spät Reformhaus-Margaritas trinken. Eine Komödie?

Auf alle Fälle. Aber das ist ein sehr geschliffener Humor. Mir ist selten ein so genau geschriebener Text begegnet. Er bietet Futter für die Schauspieler und viele überraschende Wendungen für den Zuschauer. Das Tolle daran ist, dass der Humor dieses Stückes Sachen berührt, die in die Tiefe gehen und etwas in uns antippen. Das macht etwas mit uns. Der Autor bringt Themen in das Stück hinein, ohne dass man sich agitiert fühlt. Man wird berührt und schließt die beiden Hauptpersonen ins Herz.

Beim Thema Tanzstunde kommt man nicht gleich auf menschliche Probleme, oder?

Und doch geht es hier um existenzielle Fragen, die uns alle angehen. Man ist aufgewühlt von der Handlung und kann trotzdem lachen. Wir versuchen, das in den Proben so herauszuarbeiten, dass der Zuschauer am Theaterabend die schönen und leichten Seiten des Textes auskosten kann und gleichzeitig nachdenklich gestimmt ist.

Um welche Fragen geht es genau?

Zum Beispiel darum, was einen Menschen zum Außenseiter macht. Zwischen den Hauptpersonen in herrschen große soziale Unterschiede. Die reiche Dame in ihrer Wohnung mit Blick aufs Meer hat wenig soziale Kontakte und traut sich nicht unter Menschen. Im Privatleben des Tanzlehrers läuft nicht alles rund. Außerdem hat er nur das Nötigste zum Leben. Er muss um diesen popeligen Job kämpfen, obwohl er die alte Dame nicht leiden kann. Ich finde es super interessant, dass beide aus so verschiedenen Ecken heraus einsam sind. Es wird klar: Der Mensch braucht ein Gegenüber, um zu überleben.

Da ist Tanzen also so etwas wie Therapie?

Im Laufe des Stückes entsteht eine Verbindung zwischen der Frau und dem Tanzlehrer. Und gerade das erscheint am Anfang unmöglich. Dieses Stück lässt Dinge im Kopf entstehen, die man nicht erwartet. Unsere Vorurteile, die unsere Beziehungen untereinander bestimmen, können sich verändern durch das, was man über einen anderen Menschen erfährt. Zum Beispiel würden viele Leute von sich behaupten, dass sie kein Rassist sind. Aber wenn sie einen dunkelhäutigen Menschen sehen, ploppen unweigerlich Assoziationen auf.

Auf der Bühne berühren sich die Darsteller nicht. Auch nicht beim Tanzen. Ist das Absicht?

Die Schauspieler dürfen wegen Corona nicht wirklich miteinander tanzen. Der erzwungene Abstand war der Ausgangspunkt unserer Arbeit. Jetzt bin ich froh, dass wir das so machen. Wir können trotz des Abstands zwischen den beiden eine Nähe erzielen und genau diese Geschichte erzählen.

Worum geht es in dem Stück?


Ein Tanzkurs in den eigenen vier Wänden, jede Woche ein neuer Tanz. Eine ältere Dame in Florida hat diesen Unterricht gebucht. Sie kann es sich leisten, denn sie hat Geld. – Ganz im Gegensatz zu Tanzlehrer Michael. Dieser ehemalige Broadwaytänzer ist impulsiv, glänzt mit rüpelhaftem Benehmen und schwarzem Humor. Da scheint es vorprogrammiert, dass sich die so unterschiedlichen Tanzpartner streiten. Werden sie die sechs Tanzstunden zu einem erfolgreichen Abschluss führen? – Der Amerikaner Richard Alfieri hat Drehbücher und Theaterstücke geschrieben, darunter auch diese Komödie.