"Ye Shat Koach!", sagt Alon Issashar und schüttelt Museumsleiterin Anke Grodon die Hand. Dann überlegt er mit Betreuer Nachum Frenkel, wie sich dieser hebräische Wunsch am besten übersetzen lässt: "Ausgezeichnet! Macht unbedingt so weiter und viel Glück dabei!"
Es ist für die Gruppe ein sehr emotionaler Besuch in der der einzigen originalgetreu erhaltenen historischen Mikwe in Brandenburg. Bei der Führung durch das 1862 errichtete Bad und die angeschlossene Ausstellung über jüdische Riten fallen Alon Issashar spontan hebräische Gesänge ein, die er gleich zum Besten gibt. Nachum Frenkel erklärt Rotary-Präsident Klaus-Dieter Bettin und Gründungsmitglied Jürgen Dybowski den Gebrauch eines Chanukka-Leuchters. "Das ist alles sehr akkurat und richtig dargestellt", lobt er die Ausstellung.
"Es ist schön und wichtig, dass hier die jüdischen Traditionen erhalten werden", meint Ruba Warwar. Die 34-jährige Moderatorin aus Nazareth ist selbst eine arabische Christin, doch die Aufarbeitung der Geschichte in Deutschland interessiert sie sehr. Ihre Kollegin Dana Yarkechy ergänzt: "Dabei gibt es in Schwedt nicht einmal eine jüdische Gemeinde. Das alles wurde nicht unter Druck restauriert, sondern aus Interesse und freiem Willen."
1988 haben Schüler, Arbeiter und Bürger den mehr als fünf Meter tiefen Schacht von Schutt befreit. Der Komplex gehörte zur 1938 zerstörten Synagoge und diente der rituellen Reinigung vor besonderen Gottesdiensten. Yaron Rahvalschi findet das Engagement mit Unterstützung des Rotary "herzerwärmend".
Besonders interessiert sich die Gruppe für das Schicksal der jüdischen Familien in Schwedt, die von den Nationalsozialisten deportiert wurden. Alon Issashars Großvater hat ein Konzentrationslager überlebt. "Es ist ein Trauma, das sich Deutschland und Israel teilen", meint er. "Viele können bis heute kaum darüber sprechen, erst im Alter bricht es aus ihnen heraus. Hierzulande ist es offenbar genauso." Vor einer Woche habe er Gänsehaut bekommen, als er zum ersten Mal die deutsche Sprache hörte. "Das ist vorbei", sagt er. "Es bedeutet mir sehr viel, mich mit Deutschen auszutauschen."
Die vier nehmen am Austauschprogramm des Rotary-Clubs teil, obwohl sie keine Mitglieder sind. In Israel trafen sie vor ihrem Abflug die Gruppe aus Deutschland. "Sie hatten Angst, jemand könnte sie bei uns als Nazis oder Mörder beschimpfen", sagt Alon Issashar. "Aber letztlich haben wir alle zwei Augen, eine Nase und sind Menschen." Wenn Ruba Warwar und Dana Yarkechy gefragt werden, was sie mit Deutschland verbinden, fällt ihnen zuerst hohe wirtschaftliche Qualität, Fleiß und "Führungsrolle unter den europäischen Ländern" ein. "Wir fühlen uns als Botschafter unseres Landes und wollen den Deutschen sagen, dass sie jederzeit in Israel willkommen sind", betont Yaron Rahvalschi. Auf der anderen Seite ist es dem freischaffenden Schreiber wichtig, das Bild zu revidieren, das manche Deutsche von seiner Heimat haben. "Wir leben nicht dauernd in einer Kriegszone. Wir sind die junge Generation, die Frieden möchte zwischen Juden, Christen und Arabern." Das gemeinsame Trauma, findet Dana Yarkechy, sei eine Chance für Deutschland und Israel, gemeinsam einen friedlichen Weg zu beschreiten.
Dieser Dialog sei das wichtigste Ziel des Austauschprogramms, erklärt der Rotary-Präsident Klaus-Dieter Bettin. Es ist das erste Mal, dass der Schwedter Club eine Austauschgruppe empfängt. "Natürlich hoffen wir auch, junge Leute als neue Mitglieder zu gewinnen."