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"Komm Basti - zieh durch!" Petra Brömmer, Oma des zweiten Schwedter Olympia-Kanuten Jan Vandrey, hält es kaum noch auf ihrem Stuhl, der höchstens zwei Meter vom riesigen Bildschirm fast am Eingang des Media-Marktes weg steht. Ihr Enkel wird am Freitag zusammen mit Sebastian Brendel den Zweier-Vorlauf und dann tags darauf hoffentlich auch das Finale in Rio bestreiten.
Alle mehr als 100 Fernsehgeräte des Elektronikmarktes waren um 14.08 Uhr auf den Olympia-Sender eingestellt. "Ein solches emotionales Erlebnis haben wir ja nun wirklich nicht alle Tage bei uns", kann sich später der stellvertretende Marktleiter Thomas Schulze mit seinen Kollegen über eine gelungene Olympia-Viewing-Premiere vom Kanurennsport in Schwedt freuen. Mehr als 100 Schaulustige sind - und das an einem ganz normalen Dienstagnachmittag - ins Oder-Center gekommen, um Brendel aus der Ferne bei seinem Endlauf über 1000 Meter im Einer-Canadier anzufeuern. Bürgermeister Jürgen Polzehl ist genauso da wie der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen mit Frau Grit oder Jens Thieme, Vater von Clara, die kürzlich Kanu-WM-Silber bei den Juniorinnen gewann.
Und Brendel legt los wie die Feuerwehr, zieht damit - wie er später im Fernseh-Interview selbst sagt - seinem größten Kontrahenten aus dem Gastgeberland Brasilien wohl den Zahn, der im Vorlauf wie vom Katapult geschossen losgepaddelt war. Jetzt aber hält der am 12. März 1988 in Schwedt geborene Titelverteidiger von London grandios dagegen, liegt nach einem Viertel der Strecke nur um 0,4 Sekunden hinter dem Brasilianer und übernimmt vor der 500-m-Markierung die Spitze.
Beifall brandet im Media-Markt auf. Die Rufe werden immer lauter. Das Zittern nimmt zu - unter anderem auch bei Jeanette Vandrey und Stephanie Dreßl, der Mutter und der Freundin von Zweier-Kanute Jan Vandrey. "Natürlich sind wir gedanklich auch schon bei Freitag und Sonnabend, wenn Jan dann mit Basti im Boot sitzt. Aber jetzt gilt unser ganzes Daumendrücken erst mal Sebastian. Mein Puls? Weiß ich nicht. Nicht messbar!"
Wenig später liegen sich die beiden Frauen in den Armen, jubelt die Kulisse im Media-Markt stellvertretend für ganz Schwedt. Jürgen Polzehl wird später eine Gruß-Nachricht nach Rio senden und dem nun doppelten Olympiasieger gratulieren. "Was für eine Visitenkarte für unsere Sportstadt Schwedt", zeigt sich das Stadtoberhaupt überwältigt.
Und Sonnabend geht es weiter. "Wo gibt es so etwas sonst noch, dass in einem Boot zwei Sportler aus einer so relativ kleinen Stadt zusammen bei Olympia fahren", sagt auch Romy Gräfe vom Verein Wassersport PCK, in dem Sebastian Brendel und Jan Vandrey einst das Einmaleins ihres Sports erlernten. "Einfach nur Wahnsinn, totale Gänsehaut - welch geiles Rennen!", kommentiert sie noch einmal das gerade beendete Einer-Finale.
Die MOZ lädt schon mal zum nächsten Zweier-Olympia-Viewing am Sonnabend, 14 Uhr, ein.
Gooooooold! Das Public-Viewing-Publikum im Media-Markt reißt die Arme hoch - nach knapp vier Minuten ist der Schwedter Kanute Sebastian Brendel soeben zum zweiten Mal Olympiasieger im Einer-Canadier über 1000 Meter geworden.Fotos (2): MOZ/Oliver Voigt
Grüße aus Rio: Astrid und Gerd Brendel schickten der MOZ dieses Selfie.Foto: Astrid Brendel
Spannung pur: Viele Zuschauer zitterten mit, zeigten sich fasziniert von Brendels Gold-Fahrt.
Stimmungsvolles "Olympia-Viewing" im Media-Markt / Fans feuern Kanu-Olympiasieger aus der Ferne an