Die einst stolze, über 50000 Einwohner große Stadt verliert seit der Wende jährlich an Bevölkerung. Anhaltender Wegzug und mehr Sterbefälle als Geburten haben Schwedt kleiner werden lassen. Mittlerweile haben in der Summe mehr als 21 000 Schwedter die Stadt verlassen. Nur dank der 4000 Einwohner in den eingemeindeten Ortsteilen hat die Stadt die 30000er-Marke noch nicht gerissen.
Die Statistiker im Rathaus hatten schon lange vermutet, dass die vom Land amtlich herausgegebene Bevölkerungszahl von zuletzt noch 33 578 zu hoch bemessen war. Ihr eigenes Melderegister wies schon seit Jahren 1200 Einwohner weniger aus. Doch die Abweichung um mehr als 2000 Einwohner hat die Stadtverwaltung gehörig überrascht. Auf einen Schlag fehlen Schwedt so viele Einwohner, wie die Stadt sonst innerhalb von fünf Jahren verliert. "Die Auswirkungen sind enorm. Die Stadt erhält plötzlich weniger Schlüsselzuweisungen vom Land, hält aber die gleiche Infrastruktur vor. Wir müssen uns beim Land gemeinsam mit anderen Kommunen dafür stark machen, dass es Übergangsregelungen gibt, die die Auswirkungen abfedern", erklärte Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl.
Schwedt rechnet mit einer Schlüsselzuweisung von 13 Millionen im Jahr. Eine um sechs Prozent gesunkene Einwohnerzahl schmälert die Pro-Kopf-Zuweisung erheblich. Noch liegen die Zahlen vom Land zur Berechnung nicht vor, Finanzexperten rechnen jedoch mit mehr als einer Million Euro Einbuße.
Auf das Schrumpfen ist die Stadt seit langem eingerichtet, hat konsequent Leerstand abgerissen, um keine Geisterviertel entstehen zu lassen. Klubs wurden dezimiert, Schulen und Sporthallen abgerissen, Einrichtungen zusammengelegt, Medien zurückgebaut. Doch der Bevölkerungsschwund ist nicht mehr auf die jüngsten DDR-Baugebiete Waldrand und Kastanienallee zu begrenzen. Er kommt im Stadtzentrum an. Schon im nächsten Jahr wollen die Wohnbauten am Marchlewskiring mit dem Abriss beginnen. Die Stadt wird schon bald auf die Hälfte ihrer einstigen Größe ausgeblutet sein. Bei circa 400 Einwohnern, die pro Jahr verloren gehen, werden 2015 weniger als 26 000 Einwohner in der Kernstadt von Schwedt wohnen.
Mit dem deutlichen Einwohnerschwund wird möglicherweise auch ein neues Rathaus kleiner. Eigene Ämter wie das Bauordnungsamt, die Wohngeldstelle oder Ausländerbehörde dürfen nur große kreisangehörige Städte vorhalten. Bedingung: mehr als als 35000 Einwohner. Diese Einwohnergrenze hat Schwedt mit der Bereinigung der amtlichen Einwohnerzahl nun mehr als deutlich gerissen.